Sport : Ming Yao: Der 2,27 m große Basketballspieler ist der längste Athlet in Sydney

Jörg Allmeroth

Selbst Riesen sind nur Zwerge gegen ihn. Gegen den Mann, dem keiner bei diesen Olympischen Spielen Auge in Auge gegenüberstehen kann. Gegen Ming Yao, den 2,27-Meter-Hünen aus China, den Größten in Sydney.

Er ist ein Mann, für den selbst das längste Bett im Athletendorf noch viel zu klein ist. "Meine Füße liegen auf einem Hocker, den ich angestellt habe", sagt Ming Yao, der über die stattliche Schuhgröße 55 verfügt. Neun Zentimeter größer als die jeweils 218 Zentimeter hochgewachsenen Roberto Duenas (Spanien), Frederic Weis (Frankreich) und Eurelius Zukauskas (Litauen), spielt Ming Yao Basketball in einer eigenen Dimension.

Mit seinen Händen kann der junge Chinese mühelos den Korb anfassen und umgreifen. Für einen Volltreffer ins Netz erhebt sich der Goliath kaum aus dem Stand. Zusammen mit Wang Zhizi, 213 Zentimeter, und Menk Bater, 210 Zentimeter, bildet Ming Yao unter dem Korb eine Abwehrformation, die von der Konkurrenz als "die große chinesische Mauer" gefürchtet wird.

Yaos Familie lebt auf traditionell großem Fuß und aus übersichtlicher Position. Seine Mutter misst 1,88 Meter, sein Vater 2,08 Meter. Beide waren, was sonst, Basketballspieler. Schon mit 13 Jahren hatte Yao die Zwei-Meter-Grenze durchbrochen. Damals spielte er kurioserweise noch Wasserball und konnte bequem aus dem Wasser lugen, wenn er seine Füße auf dem Beckenboden stehen hatte. Die Ärzte, die ihm, pessimistisch, wie sie nun einmal waren, ein Wachstum bis auf 2,20 Meter vorhersagten, empfahlen Yao den naheliegenden Wechsel zum Basketball.

Nach vier glanzvollen Serien in der chinesischen Nationalliga hatte Yao im April eine Einladung zu einem internationalen Jugendturnier in Indianapolis erhalten, um vor den versammelten Scouts der nordamerikanischen Profiliga NBA aufzuspielen, der stärksten Basketball-Liga der Welt. Doch sein störrischer Nationalverband verbot die Reise. Yao solle sich lieber auf seine Olympia-Aufgaben konzentrieren, sagten die Funktionäre. Auch sein Mannschaftskollege Zhizi, der von den Dallas Mavericks verpflichtet werden sollte, wo auch der beste deutsche Basketballer Dirk Nowitzki seine Millionen verdient, hatte zuvor schon eine Abfuhr von seinem Armeeklub erhalten. "Ich will einmal nach Amerika gehen und dort Basketball spielen", sagt der Riese verträumt, "vielleicht schon nach den Spielen in Sydney." Sein Glück ist andererseits, dass er Chinese und nicht Europäer ist. Denn über die Ausscheidungsspiele in Asien war die Qualifikation für Sydney relativ leicht.

Margo Dydek ist schon wesentlich weiter, sozusagen am Ziel. Sie ist die größte Athletin in der olympischen Familie, mit 213 Zentimetern über der Bodenfläche. Vor zwei Jahren wechselte die Polin aus ihrem Heimatland in die NBA der Damen, ins Basketball-Paradies USA. Bei den Utah Starzz markierte die Ausnahmespielerin gleich einen Rekord für abgeblockte Würfe und spielte sich ins Stammteam. "Bei ihrer Größe müsste man denken, sie ist unbeweglich und steif", sagt ihr Coach Alain Jardel, "aber sie ist eine Topathletin."

Auch in Dydeks Familie ist Größe ein gewohnter Faktor: Ihre ältere Schwester Kashka, ebenfalls im Olympiateam, ist 1,97 Meter groß, eine andere Schwester 1,90 Meter. Nichts gegen Margo: Sie war schon mit 13 Jahren volle zwei Meter gewachsen. Angenehm ist das nicht immer. Jedenfalls dann, wenn Margo sich außerhalb ihres Einsatzortes auf dem Basketballfeld bewegt. "Da wirst du schon angestarrt wie eine, die vom Mars oder sonstwoher kommt", sagt sie. Erst die Erfolge im Basketball hätten ihr das Selbstbewusstsein gegeben, sagt Margo, "um mich nicht wie eine Aussätzige zu fühlen".

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