Sport : Mit 14 in der Ersten Liga

Die Volleyballerinnen des Köpenicker SC setzen auf Jugend – und warten vor dem Spiel gegen Suhl noch auf einen Sieg

Karsten Doneck

Berlin - Immer nach den Sommerferien klappert Ralf Hartig die Schulen in Treptow und Köpenick ab. Seit Jahren schon. Dann stellt er sich vor die Klassen und versucht, vor allem jungen Schülerinnen die Vorzüge des Volleyballspielens schmackhaft zu machen. Am Ende lädt Hartig dazu ein, das Spiel auszuprobieren. Zu diesen Sichtungstagen kommen dann schon einmal 50 bis 60 Kinder, die meisten sind knapp zehn Jahre alt. „Ein paar bleiben dann immer hängen“, sagt Hans Fischer, Vorsitzender der Volleyball-Abteilung des Köpenicker SC. Das Ausleseverfahren hat Fischers Klub vorangebracht: Ohne allzu großen finanziellen Aufwand haben die Frauen des Köpenicker SC den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Von den 13 Spielerinnen des aktuellen Kaders kamen sieben von der Schule über die Sichtung zum Volleyball, „eine überdurchschnittlich hohe Quote“, findet KSC-Cheftrainer Michael Lehmann.

Der Köpenicker Jugendstil schlägt sich im Durchschnittsalter des BundesligaKaders nieder. Das liegt bei nur 20 Jahren. „Wir haben die mit Abstand jüngste Mannschaft der Liga“, verkündet Hans Fischer stolz. Allerdings: Jugendlicher Elan allein bringt keine Punkte. Die ersten drei Saisonspiele gegen USC Münster, Dresdner SC und Bayer Leverkusen haben die Köpenickerinnen verloren. „Uns fehlt die Abgezocktheit. Wir sind auch noch nicht so vertraut mit der wesentlich schnelleren Spielweise“, sagt Trainer Lehmann.

Das ist indes kein Grund, vom eingeschlagenen Weg der Nachwuchsförderung abzuweichen. Auch Saskia Hippe wird in der Bundesliga im Mittelblock weiter Einsatzzeiten bekommen. Keine Selbstverständlichkeit, denn Hippe ist zwar 1,83 Meter groß, aber gerade mal 14 Jahre jung. „Aufregend“ findet sie die Bundesliga, „da gibt es so viele große, erfahrene Spielerinnen“. Beim nächsten Heimspiel am Samstag gegen VfB Suhl (19 Uhr, Flatow-Oberschule/Birkenstraße 11) sitzt Saskia Hippe jedoch nur unter den Zuschauern. „Ich bin jetzt auf Krücken unterwegs“, sagt sie. Ein zweifacher Bänderriss, erlitten beim Spiel gegen Leverkusen, zwingt sie zu einer sechswöchigen Pause.

Es gibt in Köpenick andere, für einen Bundesligisten nicht eben typische Widrigkeiten. Vor der Saison hat der Verein zwei Amerikanerinnen hinzugeholt: Sarah Rollmann und Katie Wright. Damit existiert nun ein Problem. „Leider spreche ich nicht so fließend Englisch, um gerade im psychologischen Bereich auf diese beiden immer sofort und richtig einwirken zu können“, sagt Lehmann.

Unter Abstiegsängsten leidet der KSC indes nicht. „Wir schaffen das“, sagt Lehmann. Mit einem Haushalt von 350000 Euro, zum Teil gedeckt durch das Sponsoring einer Fluggesellschaft, denkt der Köpenicker SC sogar an fernere Ziele. „In zwei Jahren wollen wir im oberen Drittel der Tabelle mitspielen“, sagt Fischer. Und dazu soll auch wieder Ralf Hartig seinen Beitrag leisten. Indem er durch die Schulen zieht. Die nächsten Sommerferien kommen bestimmt.

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