Sport : Mit Angst und Bogen

Vielen Randsportarten droht nach Athen das Aus

Erik Eggers

Athen - Klaus Lindau hat sich mit gemischten Gefühlen auf den Weg nach Athen gemacht. Der deutsche Referent für Bogenschießen beim Deutschen Schützenbund (DSB) freut sich auf die Wettbewerbe seiner Disziplin, die „bestimmt großartig werden“. Einmal in vier Jahren steht die Randsportart im Fokus der Medien, sonst nie.

Die Wettbewerbe werden im Panathenäischen Stadion ausgetragen, dort, wo 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit begannen. Die marmorne Arena ist ausverkauft. Dennoch steht die Sportart vor dem olympischen Aus. Bogenschießen gehört zu den Sportarten, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) „nach Athen einer Überprüfung unterzogen werden“, sagt IOC-Mitglied Walther Tröger. Überprüfung – das heißt, dass Bogenschießen womöglich bald nicht mehr olympisch ist. „Das wäre die nackte Katastrophe“, sagt Lindau, „sämtliche Förderungen werden dann gestrichen“. Keine Gelder mehr, keine Olympiastützpunkte, das Ende des Leistungssports in dieser Sportart.

In Athen werden nicht nur Sportler, sondern auch Sportarten gegeneinander kämpfen. Die Schützen gegen die Fechter, die Ruderer gegen die Kanuten. Nicht so telegene Sportarten wie der Moderne Fünfkampf, Baseball und Softball sollen ganz gestrichen werden, um das Programm der Spiele zu modernisieren – und dem Gigantismus Einhalt zu gebieten. Seit Jahren schreibt Klaus Schormann, Präsident der deutschen und der internationalen Modernen Fünfkämpfer, entrüstete Briefe an die IOC-Mitglieder und weist darauf hin, dass der IOC-Gründer Coubertin den Modernen Fünfkampf erfunden habe, dieser Sport „genuin olympisch“ sei. Das Vorhaben des IOC-Präsidenten Jacques Rogge, bereits für Peking 2008 den Fünfkampf und Baseball durch Rugby und Golf zu ersetzen, wurde deshalb vorerst verschoben.

Weil das olympische Programm sieben Jahre vor einer Austragung feststehen muss, ist das Bogenschießen für 2008 gesichert. Spätestens bei der Session 2005 wird es aber Änderungen geben. Die bedrohten Sportarten begegnen dem mit vorauseilendem Gehorsam. Die Schützen haben zum Beispiel schon „einen Wettbewerb geopfert“, sagt Lindau. Das Schießen auf die laufende Scheibe findet in Athen letztmalig statt.

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