Sport : Mit der Kunst am Ende

SCC-Volleyballer suchen nach den Gründen für ihr Scheitern gegen Düren

Karsten Doneck

Berlin - Robert Kromm hatte sich die Sache reiflich überlegt. Bedenken gegen seine Pläne zerstreute er. Als 21-jähriger Volleyballer nach Italien zu wechseln, das ist ein sehr mutiger Schritt. Italien gilt als das Volleyball-Paradies – aber letztlich nur für die, die sich in der stärksten Liga der Welt auch tatsächlich durchsetzen. Kaweh Niroomand, der Manager des Deutschen Meisters SC Charlottenburg, riet Robert Kromm zwar, es sei besser für ihn, wenn er seine vielversprechende Entwicklung noch ein Jahr lang in der Bundesliga vorantreiben würde, doch der Außenangreifer konterte: „Ich kriege jetzt in Italien eine Chance, die will ich nutzen. Wenn es nicht klappt, kann ich ja immer noch zurückkehren.“ Das Gespräch fand irgendwann Mitte Februar statt, Kromm unterzeichnete wenig später einen Zweijahresvertrag beim italienischen Erstligisten Modena.

Kromms Wechsel ist also von langer Hand vorbereitet und deshalb völlig unabhängig davon, dass die Charlottenburger mit ihrem Vorhaben, den Titel zu verteidigen, in diesem Jahr gescheitert sind. Völlig unerwartet mit 0:3 und 2:3 verlor die Mannschaft im Play-off-Halbfinale gegen Evivo Düren – und beim SCC löste das Fiasko tiefe Betroffenheit aus. „Wir müssen das jetzt erstmal etwas sacken lassen“, sagt Niroomand. Er selbst und Günter Trotz, der Geschäftsführer des SCC, halten seit mehr als einem Jahrzehnt den Laden am Laufen, doch der Rückschlag gegen Düren hat bei den beiden Entscheidungsträgern Spuren hinterlassen. „Man kann jetzt nicht wie selbstverständlich wieder zur Tagesordnung übergehen. Da muss man sich auch mal grundsätzlich Gedanken machen über die Zukunft des Volleyballs in Berlin“, sagt Niroomand. Zwischenzeitlich hatte der SCC in dieser Saison schon mal pure Volleyball-Begeisterung entfacht. Die mutigen Auftritte in der Champions League gerieten zum Spektakel, von den Zuschauern euphorisch beklatscht. Verloren die SCC-Spieler danach die Bodenhaftung? „Das kann schon sein“, gibt Mannschaftskapitän Marko Liefke diesen Umstand bedingt zu. Nach dem Aus im Europacup ging es allmählich abwärts. In der Bundesliga setzte sich der SCC trotz deutlich reduzierter Spielkunst gegen die minderbemittelten Gegner zwar weiter sicher durch, spielte dabei aber oft auffällig emotionslos. Als es im Halbfinale gegen Düren galt, den Hebel wieder auf volle Leistungskraft umzulegen, misslang das.

Auch Trainer Mirko Culic, seit drei Jahren im Amt, muss sich nun unbequemen Fragen stellen. Aus der Mannschaft heraus mehrten sich die Vorwürfe, dass Culic es nicht verstanden habe, die Spieler nach der Champions League in Form und bei Laune zu halten. „Wir müssen uns auch fragen, ob der Trainer immer in der Lage war, die Reize richtig zu setzen“, sagt Niroomand und ergänzt: „Für mich ist der Trainer unumstritten, aber man muss auch in die Mannschaft reinhören.“

Die Planung der neuen Saison hat der SCC schon vor dem Halbfinal-Aus begonnen. In Kürze soll mit einem namhaften Sponsor ein Vertrag geschlossen werden. Mit diesem Deal wäre der Etat für die nächste Saison zu 80 Prozent gedeckt. Um Ersatz für Kromm bemüht sich der SCC auch. Im Gespräch ist ein früherer Charlottenburger, der in Italien bei Cueno spielt: Björn Andrae. Niroomand: „Wir haben Interesse. Er verfügt auch über mehr Erfahrung als Kromm. Aber es ist schwierig, ihn zu bekommen.“

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