• Mit der letzten ATP-Weltmeisterschaft in Hannover geht ein Stück Tennis-Geschichte zu Ende

Sport : Mit der letzten ATP-Weltmeisterschaft in Hannover geht ein Stück Tennis-Geschichte zu Ende

Hannover putzt sich heraus zur Abschiedsfeier. Nach zehn Jahren großer Tennisfeste zum Jahresende verlässt die ATP mit ihrer Weltmeisterschaft Deutschland. Sechs Tage noch, von Dienstag bis Sonntag, ermitteln die acht weltbesten Spieler in Hannover ihren Champion. Dann endet nach dem Finale in Hannover ein Stück deutscher Tennisgeschichte. Die ATP bricht auf zu neuen Zielen und Märkten. Lissabon ist Austragungsort der Weltmeisterschaft im Jahr 2000, dann geht es nach Sao Paulo. Die bislang großartigste Zeit im deutschen Tennis geht auch mit dem Abschied der Weltmeisterschaft deutlich sichtbar zu Ende.

Ohne den Boom um Boris Becker nach 1985 hätte die ATP ihr Saisonfinale niemals 1990 von New York nach Frankfurt gegeben. Deutschland wurde zum wichtigsten europäischen Markt. Sieben ATP-Turniere fanden 1999 in Deutschland statt, nur in den USA waren es mehr. Am Ende stand das Finale, zunächst in der Frankfurter Festhalle, seit 1996 in Hannover - Boris Becker sei Dank.

Der deutsche Star prägte die ATP-Weltmeisterschaft in seinem Heimatland. Schon durch die jährliche Geburtstagsparty am 22. November, wenn regelmäßig das gesamte Publikum "Happy-Birthday"-Gesänge anstimmte. Noch mehr aber durch seine Matches. Sein letztes Spiel bei einer ATP-WM gilt als bestes Hallenspiel aller Zeiten: Vier Stunden standen sich Becker und Pete Sampras 1996 in Hannover gegenüber, ehe der Amerikaner in fünf Sätzen gewann. "Besser kann ich nicht mehr spielen", sagte Becker, und Sampras ergänzte: "Ich habe noch nie gegen einen gespielt, der so gut war."

Das "Jahrhundert-Match" begründete eine tiefe Freundschaft zwischen dem Amerikaner und dem Deutschen, die vor 15 600 Zuschauern Arm in Arm den Platz verließen. Ingesamt viermal verließ Sampras Frankfurt und Hannover als Sieger. Der vielleicht beste Tennisspieler aller Zeiten war auch in der deutschen Dekade der erfolgreichste. Mit seiner Halbfinalteilnahme im letzten Jahr feierte er in Hannover einen historischen Rekord. Sechs Jahre in Folge beendete er das Jahr an der Spitze der Weltrangliste, eine Bestleistung, die wahrscheinlich nie mehr gebrochen wird.

Als einziger Spieler war Sampras bei allen zehn Turnieren in Deutschland qualifiziert. Keiner hat mehr Matches gespielt (41) und gewonnen (29) als der Amerikaner. Becker folgt mit 27 Spielen und 20 Siegen. Andre Agassi, der dritte Megastar des letzten Jahrzehnts, kann nun in Hannover einen Kreis schließen. 1990 war er beim Debüt in Frankfurt erfolgreich, auch jetzt gilt er als großer Favorit auf den Titel. Becker siegte 1992 und 1995. 1993 gewann Michael Stich, der immer noch als einziger Titelträger in dem Turnier ungeschlagen blieb. Zwei Jahre zuvor hatten die Fans in Frankfurt den spröden Norddeutschen im Match gegen Becker noch ausgepfiffen.

Die Expo-Gesellschaft ist nach eigener Aussage mit ihrem Engagement bei der Tennis-Weltmeisterschaft zufrieden. Das ATP-Finale habe der Expo als Mitveranstalter einen "Werbewert in unglaublicher Höhe" gebracht, sagte Expo-Geschäftsführer Reinhard Volk am Montag in Hannover: "Wir haben für den Standort der Weltausstellung perfekte Werbung betrieben. Die Stadt Hannover hat sich als Gastgeber von Großveranstaltungen profiliert."

Am Ende der deutschen WM-Ära steht nun möglicherweise ein Neubeginn. Nicolas Kiefer hat sich als dritter Deutscher für das Finale der acht Besten in seiner Heimatstadt qualifiziert. Ein Erfolg des 22-Jährigen in zum Abschluss der WM-Geschichte in Deutschland wäre ein Happyend im wahrsten Sinne des Wortes.

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