Sport : Mit einem dicken Auge kommt man nicht davon

Durch Technischen K.o. verliert Arthur Abraham den Weltmeistertitel an Robert Stieglitz und hofft auf eine Revanche.

Sucht nach Schlägen festen Halt. Arthur Abraham wurde von der Offensive seines Gegners völlig überrascht. Foto: dpa
Sucht nach Schlägen festen Halt. Arthur Abraham wurde von der Offensive seines Gegners völlig überrascht. Foto: dpaFoto: dpa

Magdeburg - Arthur Abrahams Auftritt bei der Box-WM in Magdeburg dauerte nicht viel länger als sein Kurzeinsatz im ARD-„Tatort“. Im Film war er von Til Schweiger mit einem Toaster zur Strecke gebracht worden, diesmal erledigte das Robert Stieglitz mit den Fäusten. Dafür brauchte er nur drei Runden. Stieglitz nahm Abraham den WM-Titel im Supermittelgewicht nach Version der WBO wieder ab. „Ich habe doch gesagt, der Titel ist nur verliehen“, sagte Stieglitz und zuckte mit den Achseln, als sei die Einlösung des Versprechens das Normalste der Welt.

Im vergangenen August hatte ihn Abraham klar nach Punkten besiegt und den WM-Gürtel entführt. Die Revanche vor 7500 tobenden Zuschauern war stark. Zu Beginn der vierten Runde blieb Abraham auf dem Hocker in seiner Ecke sitzen, sein linkes Auge war komplett zugeschwollen. „Arthur konnte nicht mehr räumlich sehen, er sah die Schläge nicht kommen“, erklärte Ringarzt Walter Wagner. „Das war medizinisch nicht vertretbar.“ Folglich brach der Ringrichter aus den USA ab: Technischer K.o. in der vierten Runde. Stieglitz hatte alles riskiert. Wie ein Stier war er auf Abraham losgegangen und hatte den 33 Jahre alten Berliner mit Schlagsalven eingedeckt. Der passive Champion Abraham war von dieser Wucht seines Gegners völlig überrascht und wusste nicht, wie ihm geschah. Er verließ sich auf seine alte, überwunden geglaubte Taktik: „Ich wollte ihn ein bisschen schlagen lassen. Bis zur sechsten Runde sind meine Gegner aggressiv, dann werden sie ruhiger. Ich hätte ihn schon noch erwischt.“ Da irrte Abraham allerdings. Das Abwarten rächte sich.

„Dass Arthur sich so eindecken lässt, habe ich nicht geglaubt“, sagte Trainer Ulli Wegner. „Er hat in der zweiten Runde für drei Sekunden geboxt, wie er eigentlich sollte.“ Um die Kritik zu verschärfen, lobte Wegner den Rivalen. Der hatte im Gegensatz zu Abraham die Vorgaben des eigenen Trainers befolgt. „Die Courage von Robert ist zu bewundern. Mit welchem Elan der rangeht an seine Aufgaben, davor ziehe ich den Hut.“

Der gebürtige Armenier Abraham, der sich im Ring hinter seiner Doppeldeckung und später hinter einer dunklen Sonnenbrille verschanzte, hofft nun auf einen dritten Kampf. Denn ohne Titel geht ihm Geld verloren. Manager Wilfried Sauerland sieht ein drittes Duell als „ein Gebot der Fairness“ an und mahnte zu Anstand. So viel Edelmut mag Promoter Ulf Steinforth, der den am Schwarzen Meer geborenen Russlanddeutschen Stieglitz 2001 in seinem Stall aufgenommen und seither großgemacht hat, zurzeit nicht aufbringen. „Beim ersten Mal gab es eine Rückkampfklausel. Jetzt gab es keine. Ich werde mich dazu jetzt nicht hinreißen lassen“, erwiderte der zweitgrößte deutsche Boxveranstalter. Stieglitz wäre bereit („Immer wieder gern“), Steinforth derzeit nicht. Er schaut sich zunächst nach anderen Rivalen um. Einen übertragenden Fernsehsender hat er nicht. Der Sportrechtevermarkter Sportfive ist eingeschaltet. Jetzt wolle er nur feiern, sagte Steinforth und schwärmte: „Robert ist wie Phönix aus der Asche gestiegen.“ dpa

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