Sport : Mit kleinen Schritten

Der Badmintonspieler Marc Zwiebler geht einen ungewöhnlichen Weg, um nach Peking zu kommen

Bernd-Volker Brahms

Berlin - Rund ein Jahr dauert im Badminton die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele in Peking. Auf einer derart langen Distanz lässt bei den Spielern aus der deutschen Nationalmannschaft zum Ende hin schon mal etwas das Durchhaltevermögen nach. Nur der Deutsche Meister, der 23-jährige Marc Zwiebler, zeigt keinerlei Schwächen. Im Gegenteil: Er dreht jetzt erst richtig auf. Innerhalb eines halben Jahres hat der Bonner fünf internationale Turniere des European Circuit gewonnen. Während die aussichtsreichsten Topspieler des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) seit April 2007 um die ganze Welt jetten, um genügend Weltranglistenpunkte für die Qualifikation zu sammeln, wählte Zwiebler einen anderen Weg: Er konzentriert sich auf kleinere Turniere. Kein Nachteil. Mit seinem 34. Platz in der Weltrangliste liegt er klar auf Olympiakurs.

„Im Nachhinein hat er alles richtig gemacht“, sagt Martin Kranitz, Sportdirektor des DBV. Während sich unlängst noch einige deutsche Spieler bei den Swiss Open in Basel abmühten, hat Zwiebler die Qualifikation für Peking schon so gut wie sicher. „Das war bei mir gar keine Strategie“, sagt Marc Zwiebler verwundert.

Zwiebler studiert BWL und trainiert am Olympiastützpunkt in Saarbrücken unter dem früheren niederländischen Weltklassespieler Jeroen van Dijk. Fast anderthalb Jahre lang musste er aufgrund eines Bandscheibenvorfalls Ende 2005 die Finger vom Badmintonschläger lassen. „Da denkt man viel nach“, sagt Zwiebler, dessen Eltern mehrfache Deutsche Meister im Badminton waren. Als er im Spätsommer des vorigen Jahres wieder international einstieg, musste er sich bei kleinen Turnieren durch die Qualifikation quälen. „Wenn Marc bei diesen Turnieren nicht gewonnen hätte, sondern zwei-, dreimal nur Zweiter geworden wäre, wäre er jetzt nicht auf Olympiakurs“, sagt Kranitz.

Zwieblers Rivale, der siebenmalige Deutsche Meister Björn Joppien (Langenfeld), spielte im vorigen Jahr bei sieben Super-Series-Turnieren in aller Welt, bei denen es um Preisgelder von jeweils mindestens 200 000 US-Dollar ging. Der 27-jährige Joppien flog jedes Mal gleich in der ersten Runde raus und wird derzeit nur auf Platz 41 der Weltrangliste geführt. Im Januar bezwang Zwiebler, der Linkshänder, ihn im Finale der deutschen Meisterschaft und überholte ihn in der Weltrangliste. „Von da an habe ich ernsthaft an die Olympiaqualifikation gedacht“, sagt Zwiebler. Das Studium stellt er jetzt hintenan.

„Es ist erstaunlich, wie Marc ohne viele Trainingseinheiten auf dem Feld dieses Niveau erreicht hat“, sagt Bundestrainer Detlef Poste. Die meiste Zeit verbringt der 23-Jährige derzeit noch im Fitnessraum beim Muskeltraining. „Das hat er früher vernachlässigt“, sagt Poste. Früher war dem Bonner ja auch alles zugeflogen. Schon 2003 war er U-19-Europameister. Er sei ein Typ, der gerade in engen Matchsituationen aufdreht, sagt Poste, „das lässt sich nur schwer trainieren, das ist Talent“.

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