Sport : Mit Liebe zum Rekord

Novak Djokovic gewinnt zum dritten Mal in Folge die Australian Open.

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Down under unschlagbar. Seit 2011 hat Novak Djokovic nicht mehr in Melbourne verloren. Als erster Tennisspieler der Open-Ära holte der Serbe den Titel dreimal in Serie. Foto: AFP
Down under unschlagbar. Seit 2011 hat Novak Djokovic nicht mehr in Melbourne verloren. Als erster Tennisspieler der Open-Ära holte...Foto: AFP

Mit Wucht schlug der Vorhandball von Novak Djokovic an die Netzkante, und es schien, als würde er dort auch hängen bleiben. Ein Raunen ging durch die Rod-Laver-Arena, aber dann plumpste die gelbe Filzkugel plötzlich doch in die Spielhälfte von Andy Murray. Der schrie an der Grundlinie auf – aus Wut, aus Verzweiflung, aus Schmerz –, und das verzerrte Gesicht des Schotten spiegelte dabei die gesamte Leidensgeschichte dieses Abends für ihn wider. Er konnte es nicht fassen. Dabei hatte er doch vorne gelegen, über drei Stunden lang mit Djokovic auf Augenhöhe gekämpft, aber nun kam es in diesem vierten Satz im Finale der Australian Open richtig dick für Murray: Djokovic gelang alles, und bei dem Briten ließ die Kraft nach. Am Ende ging es dann zügig, und Murrays letzter Fehler besiegelte Djokovic’ vierten Triumph in Melbourne mit 6:7, 7:6, 6:3 und 6:2.

„Es ist ein unglaubliches Gefühl“, schwärmte Djokovic, „das ist mein absolutes Lieblingsturnier, ich liebe diesen Court einfach.“ Seit dem Viertelfinale im Jahr 2010 hatte der 25 Jahre alte Serbe keine Partie in Melbourne mehr verloren und nun als erster Spieler in der Open-Ära den Titel gar dreimal in Folge gewonnen. „Mich macht dieser Rekord sehr stolz“, erklärte er und wurde dabei von den inbrünstigen Gesängen serbischer Fangruppen im Stadion fast übertönt. Die schottischen Anhänger dagegen waren ebenso enttäuscht wie Murray selbst, der zum dritten Mal bei den Australian Open im Finale unterlag. „Ich versuche es nächstes Jahr wieder“, versprach er den Zuschauern, die ihn mit tosendem Applaus verabschiedeten. Murray hatte den zehrenden zwei Turnierwochen und dem anspruchsvollen Hartplatz Tribut zollen müssen, täglich nahm er Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Dass er im Halbfinale vier Stunden und fünf Sätze lang gegen Roger Federer gespielt und danach einen Tag weniger Pause als Djokovic hatte, machte es für Murray nicht besser. „Ich wache hier jeden Morgen mit steifem Rücken, Hüften und Knien auf“, erzählte Murray, „heute kam noch eine riesige Blase hinzu.“

Nach dem zweiten Satz musste er diese behandeln lassen; die extrem langen Ballwechsel mitzugehen, fiel Murray danach etwas schwerer. Doch es waren wohl auch die drei vergebenen Breakchancen im zweiten Spiel, denen Murray noch hinterhertrauerte. Er hätte so vielleicht mit 2:0 in den Sätzen in Führung gehen können, stattdessen aber bekam Djokovic Oberwasser. „Das war eindeutig der Knackpunkt“, sagte Djokovic, „nach den abgewehrten Breakbällen habe ich mich entspannt, da bekam ich meinen Rhythmus.“ Über zwei Stunden hatten allein die ersten beiden Durchgänge gedauert, erst eine Stunde später nach insgesamt 33 Spielen sollte es das erste Break geben. „Es war ein unglaublich hartes Match“, sagte auch Djokovic, „ich musste noch mal alles aus meinem Körper rausholen, es war so intensiv zwischen uns.“

Nichts anderes als einen zehrenden Schlagabtausch bis an die Grenzen der physischen Erträglichkeit hatte man von diesem Finale erwartet. So läuft es immer zwischen ihnen, sie können einfach nicht anders. Das Endspiel der US Open hatte auch knapp fünf Stunden gedauert, und wäre Murray völlig fit gewesen, hätten sie wohl den nächsten Marathon hingelegt. Die beiden kennen sich einfach zu gut – seit ihrem elften Lebensjahr, der Schotte ist nur eine Woche älter – und ihre Spielweise ist nahezu identisch: Beide sind die besten Defensivspieler der Branche, zudem extrem stark beim Return, und daher waren lange Ballwechsel mit 20 Schlägen und oft weit mehr auch an diesem Abend die Regel. Am Ende war Djokovic das kleine bisschen aggressiver, offensiver und frischer als Murray. „Zwischen uns entschieden zuletzt immer nur ein paar Punkte, Nuancen, mehr nicht“, meinte Djokovic. Dieses Mal bedeutete der feine Unterschied, dass er den Siegerscheck über 1,9 Millionen Euro einstreichen und weiterhin die Nummer eins der Welt bleiben durfte.

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