Sport : Mitleid für die Eisbären

Beim 1:3 gegen Köln müssen die Berliner auch lädierte Spieler aufs Eis schicken.

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Fast noch ein Treffer. Der Kölner Alexander Weiss (Mitte) jubelt nach einem Tor, das jedoch nicht gewertet wurde. Die Eisbären verloren trotzdem. Foto: dpa
Fast noch ein Treffer. Der Kölner Alexander Weiss (Mitte) jubelt nach einem Tor, das jedoch nicht gewertet wurde. Die Eisbären...Foto: dpa

Berlin - Eishockey kann ganz einfach sein. Vor allem, wenn einen die Gegenspieler nicht stören. Nicht einmal zwei Spielminuten waren vorbei, da legte Felix Schütz ein erstaunliches Solo auf das Eis in der Arena am Ostbahnhof. Der Angreifer der Kölner Haie umkurvte sämtliche fünf Berliner Feldspieler und schoss am Ende sogar noch auf das Tor der Eisbären Berlin. Es war ein Solo von programmatischem Charakter. Die Eisbären staunten, die Haie spielten und die meisten der 14 200 Zuschauer in der ausverkauften Arena hatten wenig Spaß am 1:3 (0:1, 0:0, 1:2) der Eisbären. Verteidiger Jens Baxmann sagte: „Richtig gut unterhalten haben wir die Zuschauer nicht.“

Es war eine schwerwiegende Niederlage für die Berliner. Bei nunmehr elf Punkten Rückstand auf den neuen Tabellenführer Köln werden sie wohl vor den Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga nicht mehr auf einen der vorderen Plätze kommen können.

Es war erstaunlich, mit welchem Personal die Eisbären antraten. Vor dem Spiel hieß es noch, mindestens sieben Berliner Profis könnten wegen ihrer Verletzungen nicht spielen. Auf dem Eis standen dann aber gegen Köln vier Spieler, über die Trainer Don Jackson tags zuvor noch gesagt hatte, sie seien keinesfalls einsatzbereit. Das waren sie zum Teil auch nicht, obwohl sie ihr Trainer aufs Spielfeld gescheucht hatte. Verteidiger Frank Hördler, der die gesamte Woche wegen einer Beckenprellung nicht hatte trainieren können, wirkte überfordert. Auch Stürmer André Rankel, der sich mit einer Rückenprellung über das Eis schleppte, war zu bemitleiden.

Aber dass die halbgesunden Profis spielen mussten, zeigt ein Malheur der Eisbären, die früher für ihren qualitativ und quantitativ starken Nachwuchs gerühmt wurden. Der Kader ist dünner als in der Vergangenheit, Ausfälle lassen sich nicht so einfach kompensieren. Und nachdem die Eisbären mit Daniel Brière ihren besten Scorer an die National Hockey-League verloren haben, sieht es noch schlechter aus im Sturm. Die Defensive hatte schon mit Brière Probleme. Doch statt eines neuen Verteidigers hat Manager Peter John Lee einen Stürmer geholt: Corey Locke zeigte gegen Köln bei seinem Heimdebüt für die Eisbären noch nicht, dass er sein Team stärker machen kann. Ein Fehlpass des Kanadiers hätte im ersten Drittel fast zum 2:0 für Köln geführt.

Einige Minuten zuvor hatte Nathan Robinson vorbei an Eisbären-Torwart Rob Zepp den Puck ins Berliner Tor geschossen – es war ein Treffer mit sehenswerter Entstehung. Aus dem eigenen Drittel heraus hatte Andreas Holmqvist einen Pass auf Robinson geschlagen, den der Kanadier an der blauen Linie der Eisbären annahm. Dann lief der ehemalige Berliner auf Zepp zu, legte sich den Puck auf die Rückhandseite seines Schlägers und schlenzte den Puck ins rechte obere Eck. Ein unfassbares Tor. Genauso unfassbar war allerdings der Umstand, dass die Eisbären nur staunend zuschauten.

Die Kölner waren klar überlegen und hätten schon nach dem ersten Drittel klar führen müssen. Aber ein zweites Tor erzielten sie trotz besserer Ideen nicht, was die Eisbären mutiger werden ließ: Zehn Minuten vor Schluss gelang Jens Baxmann der Ausgleich. Doch nur 56 Sekunden später antwortete Köln im Powerplay, Rok Tikar traf zum 2:1 für die Haie. In der letzten Minute besiegelte Mirko Lüdemann mit dem 3:1 die Berliner Niederlage.

Den Eisbären eilt der Ruf voraus, im entscheidenden Moment zulegen zu können. Auch dank dieser Mentalität sind sie in den vergangenen acht Jahren sechs Mal Meister geworden. Kölns scheidender Geschäftsführer Thomas Eichin, demnächst Manager bei Fußball-Bundesligist Werder Bremen, sagte: „Die Eisbären werden ihre Stärken in den Play-offs noch ausspielen, da bin ich mir sicher.“ Allzu sicher sollten sich die Berliner allerdings nicht sein. Zu oft haben sie sich zuletzt nicht aus kritischen Situationen befreien können und enge Spiele verloren. Das gegen Köln vom Freitag zählt nun auch dazu.

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