MITT ROMNEYS Olympiabesuch : Die Stille nach dem Spott

Willkommen? US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (l.) zu Besuch beim britischen Premierminister David Cameron. Foto: AFP
Willkommen? US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (l.) zu Besuch beim britischen Premierminister David Cameron. Foto: AFPFoto: REUTERS

Der Spott schmerzt am meisten, weil es doch um Mitt Romneys Rolle bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City 2002 geht. Auf die ist er stolz, da hält er sich für unangreifbar. In der Politik dagegen ist der Präsidentschaftskandidat der Republikaner harte Angriffe gewohnt.

Romney hatte sich positive Schlagzeilen von seiner Reise nach Europa und Israel erhofft. Dreieinhalb Monate vor der Wahl wollte er die US-Bürger an seine Rolle als angeblicher Retter der Winterspiele 2002 erinnern. Die Bilder Seite an Seite mit den Regierungschefs enger Verbündeter – David Cameron in Großbritannien, Benjamin Netanjahu in Israel, Donald Tusk in Polen – sollten wirken, als sei er schon Präsident.

Stattdessen wird nun öffentlich über ihn gelästert – erst in London und wenig später in den USA. „Ich habe gehört, da gibt es einen Typen namens Mitt Romney, der wissen möchte, ob wir vorbereitet sind“, höhnt Londons Bürgermeister Boris Johnson vor einer riesigen Menschenmenge, die im Hyde Park die Ankunft der olympischen Fackel bejubelt. „Are we ready?“ Aus der Menge ruft es zurück: „We are ready!“ Auch Premier Cameron spottet milde: „Wir halten die Olympischen Spiele in einer der belebtesten, aktivsten und betriebsamsten Städte der Welt ab. Natürlich ist es einfacher, Olympische Spiele ,in the middle of nowhere’ zu organisieren.“

Autsch! Romney hält sich zugute, er habe die Winterspiele 2002 gerettet, sicherheitstechnisch und ökonomisch. Nach dem Terrorangriff vom 11. September 2001 wollten manche die Spiele absagen. Er traf Vorkehrungen, es gab keinen Anschlag. Und: Als er übernahm, drohte ein dreistelliges Millionendefizit. Am Ende stand ein Millionengewinn. Diese Darstellung trifft freilich auf Widerspruch in den USA.

Romney möchte Olympia als Beispiel nutzen, dass er auch die USA aus der Krise führen könne. Dass man ihn wegen Olympia verspotten könnte – in Utah, „the middle of nowhere“, sei das ein Kinderspiel gewesen im Vergleich zu London – damit hatte er nicht gerechnet. Und das alles wegen ein paar unbedachten Äußerungen. Sein Presseteam hatte frühzeitig für jeden Tag der Reise ein Interview mit einem der großen US-Sender verabredet. Das erste gab Romney NBC am Donnerstag. Da war er gerade in London angekommen und hatte noch nichts gesehen. Auf die Frage, wie er die Vorbereitungen im Lichte seiner eigenen Olympia-Erfahrung bewerte, sagte Romney: Das stelle sich immer erst hinterher heraus. Er finde manche Meldungen beunruhigend, zum Beispiel, dass die privaten Sicherheitsdienste nicht genug Personal hätten und dass die Pass- und Zollbeamten mit Streiks gedroht haben. Er stellte sich die rhetorische Frage, wie groß der Enthusiasmus der Briten für die Spiele sei – und antwortete: „Das werden wir erst erfahren, wenn die Spiele beginnen.“

Die britischen Medien fielen über ihn her. Der „Independent“ ließ US-Goldmedaillen-Gewinner Carl Lewis zu Wort kommen: „Manche Amerikaner sollten besser zu Hause bleiben, wenn sie nicht wissen, was man im Ausland sagen kann.“ Der „Guardian“ kolportierte aus Regierungskreisen: „Was für ein Schocker! Wir sind sprachlos.“ Der „Telegraph“ hat ohnehin eine Rechnung mit Romney offen. Der USA-Korrespondent des konservativen britischen Blattes hatte einen Romney-Berater zitiert: Im Gegensatz zu Obama sei Romney stolz auf das angelsächsische Erbe der USA und werde die „special relationship“ zu Großbritannien, die unter Obama gelitten habe, pflegen. In den USA wurde Romney deshalb attackiert. Er habe sein Versprechen gebrochen, dass er sich an die Tradition halte, wonach US-Politiker den Präsidenten während Auslandsreisen nicht kritisieren. Nun behauptet Romney, das Gespräch mit einem Berater, auf das sich der „Telegraph“ berufe, habe nie stattgefunden.

Beim nächsten Interview am Freitagabend mit CNN machte Romney dicht: Fragen zu Syrien, zu Israel wehrte er ab. Selbst zum Olympiapferd Rafalca, das seiner Frau gehört, in der Dressur antritt und das der eigentliche Grund ist, warum die Romneys in London sind, wollte er nichts sagen. Es könnte die US-Wähler daran erinnern, dass der Kandidat superreich ist und wenig vom Alltag normaler Amerikaner versteht.

Christoph von Marschall, Washington

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