Sport : Moneymachine mit Aura

Helmut Schümann

Soll man sich nun freuen, dass die Glazer-Millionen auch keine Tore schießen? Oder doch eher trauern, dass Old Trafford untergeht? Wahrscheinlich trauert man eher, weil Manchester United, ManU genannt, eben nicht zu vergleichen ist mit dem FC Abramowitsch Chelsea und mehr das alte Europa verkörpert als das neue Geld. Zumal Milliardär Glazer bislang nur seine Anteile erhöht hat, nicht aber investiert.

Manchester United, das war nie nur die Moneymachine, das war nur ganz einfach die fußballerische Erfolgsgeschichte der neunziger Jahre schlechthin. Der gleichermaßen sportlich wie wirtschaftlich erfolgreiche Verein hat seine Aura nie verloren, auch nicht, als der Klub und sein langjähriger Protagonist David Beckham Asien als Popstars erobern wollten (und es auch taten). Die Tradition lebte, und wenn man in Old Trafford, dem legendären Stadion, durch den Tunnel der Spieler schritt – jeder kann dort hindurch schreiten bei Besichtigungstouren –, dann schauderte man vor Ehrfurcht und nicht vor Entsetzen.

Und jetzt ist der Klub abge..., nein, abgestürzt verbietet sich als Formulierung bei einem Verein, der in den fünfziger Jahren acht Spieler bei einem Flugzeugabsturz verlor. Jetzt ist der Klub aus der Champions League ausgeschieden, vorzeitig, so früh wie seit elf Jahren nicht mehr. Das ist für den Verein eine wirtschaftliche Katastrophe, und die kann einem egal sein, oder man kann sich freuen, weil Mr. Glazers Rendite dürftig ausfallen dürfte. Doch leider ist es viel mehr: nicht weniger als das Ende einer Ära.

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