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MotoGP-WM am grünen Tisch entschieden? : Valentino Rossi tritt Marc Marquez in Sepang von der Strecke

Valentino Rossi muss im letzten MotoGP-Rennen vom letzten Startplatz starten. Die Chancen auf den WM-Titel sind für den zehnfachen Champion damit deutlich gesunken.

Was habe ich getan? Valentino Rossi hatte in Sepang einen Aussetzer und trat seinen Konkurrenten von der Strecke.
Was habe ich getan? Valentino Rossi hatte in Sepang einen Aussetzer und trat seinen Konkurrenten von der Strecke.Foto: REUTERS

Valentino Rossi hat in Malaysia die Nerven verloren und seinen zehnten WM-Titel damit ernsthaft gefährdet. Beim Motorrad-Weltmeisterschaftslauf in Sepang am Sonntag (Ortszeit) bugsierte der Italiener den MotoGP-Titelverteidiger Marc Marquez unsanft von der Piste. Anschließend wurde der Italiener Dritter. Der Sieg ging an den Spanier Daniel Pedrosa auf Honda vor Rossis einzigem Konkurrenten im Titelkampf, Jorge Lorenzo. Die Rennleitung einigte sich nach stundenlanger Diskussion darauf, Rossi drei Strafpunkte zu geben. Da er bereits einen auf seinem Konto hat, muss er laut Reglement nun beim letzten Rennen in zwei Wochen in Valencia als Letzter starten.

Angesichts der dramatischen Zuspitzung des MotoGP-Titelkampfes und der vielen Diskussionen um den hitzigen Zweikampf der beiden derzeit besten Rennfahrer gingen die Ergebnisse der deutschen Piloten fast völlig unter. Dabei waren sie Anlass zur Freude. In der Moto2-Klasse feierte Jonas Folger mit Rang drei beim Sieg des französischen Weltmeisters Johann Zarco seinen vierten Podestplatz in dieser Saison. Auch Sandro Cortese schaffte als Siebter erneut eine Top-10-Platzierung.

Grund zum Jubel hatte Stefan Bradl in der MotoGP. Mit Aprilia gelang ihm Platz zehn, sein bestes Ergebnis nach dem Umstieg auf das italienische Fabrikat. Nur in Barcelona war er als Achter, damals noch auf der Forward-Yamaha, besser. Einen WM-Punkt holte sich in der Moto3 Philipp Öttl als 15. Der Sieg ging an den Portugiesen Miguel Oliveira, der nach seinem fünften Erfolg nur noch 24 Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Danny Kent aus Großbritannien hat.

Valentino Rossi und Marc Marquez liefern sich hartes Duell


Das Scharmützel zwischen Rossi und Marquez hatte bereits am Donnerstag bei der offiziellen Pressekonferenz begonnen, als der Italiener seinem jungen Kollegen vorwarf, ihn beim vergangenen Rennen in Australien bewusst blockiert und damit Lorenzo bevorteilt zu haben. Marquez wies das weit von sich, aber unabhängige Beobachter hatten es ähnlich gesehen.



Auf der Rennstrecke zeigten beide, dass die angebliche Freundschaft und der große Respekt voreinander wohl doch nicht so stark waren. Rundenlang duellierten sie sich derart, dass ein Sturz immer wieder kurz bevor stand. Auslöser war augenscheinlich Marquez, der dem Altmeister immer wieder provozierend knapp vor dessen Motorrad fuhr und anschließend langsamer wurde. „Er fuhr, nur um mir im Weg zu stehen. Ich habe sogar den Verdacht, dass er auf der Geraden das Gas nicht voll aufgedreht hat“, schimpfte Rossi, dem in der siebten Runde der Geduldsfaden riss.

„Ich wollte eine etwas andere Linie fahren, um ihn zu verlangsamen. Da ist er mir zu Nahe gekommen und gestürzt“, beschrieb Rossi die Situation aus seiner Sicht. Marquez gab das Rennen auf und verschwand kommentarlos. Rossi beteuerte anschließend, den Sturz seines Rivalen nicht beabsichtigt zu haben: „Ich habe ihm keinen Fußtritt versetzt. Er ist gestürzt, weil er mich mit dem Lenker touchiert hat.“ Die Strafe empfindet Rossi als unangemessen. „Ich glaube, sie ist zu heftig ausgefallen.“


Marquez, der schon früher angesichts teils wahnwitziger Überholmanöver für hitzige Diskussionen im Fahrerlager sorgte, war sich keines Fehlers bewusst. „Er störte mich, und ich störte ihn. Im Rennen wollte ich einfach pushen“, sagte Marquez: „Weiter hätte dieser Kampf nicht gehen können, denn wenn ein Fahrer einen Konkurrenten tritt, der dann stürzt, dann gibt es keine Steigerung mehr.“ Mit seinem Vorbild aus Kindertagen will er derzeit nicht reden: „Vielleicht in der Zukunft, aber jetzt nicht. Ich denke, meine Ansichten und die vieler Leute haben sich heute verändert.“

Die anschließenden Diskussionen um Schuld und Fairness spalteten die Lager. Fakt ist: Rossi geht als WM-Führender nach Valencia, hat aber nur noch sieben Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen Jorge Lorenzo, der hinter dessen spanischen Landsmann Daniel Pedrosa Zweiter wurde. Die Chancen, sich auf spanischen Boden bei dieser Ausgangslage dennoch den zehnten Titel zu holen, sind für Rossi dramatisch gesunken. Lorenzo zeigte kein Verständnis für die seiner Meinung nach milde Strafe. „Valentino hätte disqualifiziert werden müssen“, betonte er. (dpa)

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