Motorsport : Revolution in der Formel 1?

Vor dem Grand Prix in Indianapolis schlägt der Automobilverband FIA neue Regeln vor. Unter anderem sollen einheitliche Reifen und Bremsen die Kosten um bis zu 90 Prozent sparen. Ob die Teams zustimmen werden ist aber sehr fraglich.

Indianapolis/Hamburg ((17.06.2005, 13:00 Uhr) - Das Reglement soll nach dem Auslaufen des derzeitigen Concorde Agreement gelten. Im Concorde Agreement sind die technischen, organisatorischen und finanziellen Abläufe der weltweit bedeutendsten Rennserie bis Ende 2007 geregelt.

Die Vorschläge hatte die FIA in erster Linie mit Ferrari ausgearbeitet, auch Jordan und Red Bull wurden phasenweise einbezogen. Die anderen Teams verweigerten sich den Gesprächen. Das Vorschlagspaket wurde unter anderem an Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, die Fahrer, Teams, Motoren- und Reifenhersteller sowie an alle Betreiber der Formel-1-Strecken gesendet. Bis zum 31. Juli dürfen sich die Teams und Hersteller zu den Vorschlägen äußern. Ende Oktober sollen die neuen Regeln auf der FIA-Generalversammlung beschlossen werden.

«Wir haben in den vergangenen drei Jahren zwei unabhängige Teams und einen Hersteller verloren, ein Ersatz ist nicht in Sicht«, schrieb die FIA in ihrer Mitteilung. Der Verband glaubt nicht, dass sich durch die Kostensenkung die Leistungsverhältnisse in der Formel 1 verändern: «Die einfache Wahrheit ist, ob die sechs Hersteller nun zusammen 1,5 Milliarden Euro ausgeben oder 150 Millionen Euro, das Ergebnis ist das selbe.» Ein Team mit hinteren Platzierungen würde aber bei niedrigeren Ausgaben eher in der Formel 1 bleiben. Derzeit liegen die Budgets der Spitzenteams wie Ferrari, McLaren-Mercedes, Toyota oder Renault zwischen 280 Millionen bis 400 Millionen Euro.

Die Formel 1 soll nach dem Willen der FIA nicht mehr eine teure Hightech-Veranstaltung sein. Eine der gravierendsten Änderungen im neuen Regelkatalog ist die Einführung von Einheitsreifen. Alle Rennställe sollen dann mit den Pneus des selben Herstellers fahren. Derzeit beliefert Michelin sieben Teams, Bridgestone drei Rennställe, darunter Ferrari. Außerdem sollen die Bremsen und Teile des Getriebes vereinheitlicht werden.

Dadurch könnten die teuren Tests eingeschränkt werden. Maximal dürfen laut des geplanten Reglements im Jahr nur noch 30 000 Testkilometer pro Team gefahren werden. Ein Testkilometer kostet schätzungsweise rund 1000 Euro.

Der FIA-Vorschlag sieht ferner vor, dass ein 3,0-Liter-V10-Motor mit Drehzahlbegrenzung eine Option für Teams ist, die den von 2006 an geforderten, aber umstrittenen 2,4-Liter-V8-Motor nicht einsetzen können. Die elektronischen Hilfsmittel werden eingeschränkt, aerodynamische Zusatzflügel entfallen. Die verwendeten Materialien sollen billiger werden.

Ob tatsächlich alle Teams und Hersteller bis Ende Juli den FIA- Vorschlägen zustimmen, ist äußerst fraglich. Die fünf gegen die FIA und Ecclestone rebellierenden Hersteller BMW, DaimlerChrysler, Honda, Renault und Toyota haben für die Zeit nach dem Concorde Agreement eigene Ideen vorgelegt. Hauptpunkte im jahrelangen Streit sind in erster Linie das Reglement und die Verteilung der Vermarktungs- und TV-Einnahmen. Im Raum steht noch immer die Drohung der Automobil- Hersteller, von 2008 an eine eigene Rennserie zu veranstalten. (tso)

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