Sport : „Na, Fredi, schönen Urlaub gehabt?“

Seit gestern trainieren Herthas neue Stürmer Bobic und Wichniarek in Berlin

André Görke

Berlin. Ach ja, die neuen Kollegen. Muss man nicht gleich erkennen. Es ist Montagvormittag, kurz vor elf Uhr, Artur Wichniarek steht vor der Geschäftstelle von Hertha BSC. Plötzlich taucht ein Mann auf. T-Shirt, Dreiviertelhose, schwarze Sonnenbrille. Wichniarek stutzt. „Hey, Artur“, sagt der Mann dann, nimmt die Sonnenbrille ab, und jetzt lächelt Wichniarek. „Hallo, Fredi – na, schönen Urlaub gehabt?“

Fredi Bobic ist also erholt aus dem Urlaub zurückgekommen. Nach den Kraftübungen am Mittag stieg er in seinen Wagen und ließ sich in einer Arztpraxis in Berlin-Mitte kardiologisch durchchecken. Wichniarek hatte die Untersuchungen schon am Morgen hinter sich gebracht. Die beiden neuen Stürmer von Hertha BSC hatten wie die anderen Nationalspieler auch eine Woche länger Urlaub bekommen. Mit Niko Kovac wird heute der letzte Profi zurückerwartet.

Die Vergabe der Plätze im Angriff von Hertha BSC scheint eine eher übersichtliche Angelegenheit zu werden. Zwei Plätze stehen zur Verfügung, einer ist an Fredi Bobic vergeben. Gerade ihm traut Manager Dieter Hoeneß „vom Charakter, von der Persönlichkeitsstruktur“ eine Führungsrolle im Team zu. Bobic, der in der vergangenen Bundesliga-Saison 14 Tore für Hannover 96 erzielte, soll der Nachfolger von Michael Preetz werden, weniger fußballerisch, vielmehr vom Typ her. Jetzt ist Bobic sogar als Kapitän im Gespräch, auch das war bislang Preetz gewesen. Bobic sagt, dass die Nominierung „sicherlich ungewöhnlich wäre, aber Verantwortung werde ich eh übernehmen, ob mit oder ohne Binde, das ist ziemlich egal“.

Wer ist der zweite Stürmer? Am kommenden Samstag bestreitet Hertha bei Germania Halberstadt das zweite Testspiel, danach reist die Mannschaft für neun Tage ins Trainingslager nach Österreich. In dieser Zeit wird sich Herthas Trainer Huub Stevens festlegen, wer gut zu Bobic passt, und nicht nur zu ihm, „sondern auch zu den Mittelfeldspielern“, sagt Stevens.

Für den Sturmpartner Wichniarek spricht, dass weitaus weniger für Luizao spricht. Luizao arbeitet ähnlich wie Bobic im Strafraum. Wichniarek dagegen ist eher der Typ, der nach außen ausweicht und sich zurückfallen lässt. In der vergangenen Saison erzielte der polnische Nationalspieler für Arminia Bielefeld zwölf Tore, und da der Bundesligaabsteiger meist nur mit einer Spitze gespielt hat, ist Wichniarek viel Laufarbeit gewohnt.

Ganz ausschließen möchte Stevens auch einen Stammplatz für Luizao nicht, „das ist alles noch zu früh“, und außerdem habe man vor einem Jahr auch gedacht, dass Luizao nicht mit Preetz zusammen spielen könne. „Das hat lange gedauert, aber am Ende hat es funktioniert“, sagt Stevens. Luizao wirkt wesentlich frischer als vor einem Jahr.

Nando Rafael ist der vierte Stürmer, „den darf man nicht vergessen“, sagt Stevens. Der 19-jährige Angolaner hatte durch seine zwei Tore am letzten Bundesliga-Spieltag gegen Kaiserslautern erst dafür gesorgt, dass Hertha die Chance auf die Teilnahme am Uefa-Cup wahrnehmen konnte. Als Rafael vor einem Jahr nach Berlin kam, steckte die Mannschaft längst in der Saisonvorbereitung, „das ist jetzt anders“, sagt Stevens.

Vier Stürmer also. „Der Kader ist nicht extrem groß“, sagt Bobic, „aber die Qualität ist es. Zurücklehnen kann sich keiner, dafür ist die Konkurrenz zu groß.“ Artur Wichniarek nennt „das Erreichen der ersten drei Plätze, also die Champions League als Ziel“. Wer da im Sturm spiele, „ist zweitrangig“. Mit Bobic werde er im Trainingslager genug reden, „24 Stunden am Tag“, da könne man sich kennen lernen. Jetzt geht das eher schlecht. Wichniareks Handy wurde geklaut. Beim Urlaub auf Mallorca.

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