Nach 2:0 über Braunschweig : Hertha BSC freut sich auf die neue Saison

Alexander Baumjohann, John Anthony Brooks und Sami Allagui geben mit ihren Leistungssteigerungen bei Hertha BSC Grund zur Hoffnung für die kommende Saison.

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Drei Stadtmusikanten. Baumjohann (l.) sowie Brooks (2. v. r.) und Allagui (o.) sorgen für versöhnliche Töne am Saisonende.
Drei Stadtmusikanten. Baumjohann (l.) sowie Brooks (2. v. r.) und Allagui (o.) sorgen für versöhnliche Töne am Saisonende.Foto: Imago

Fast wäre es nichts geworden mit der Rückkehr Alexander Baumjohanns auf den Platz. Am Tag nach dem 2:0-Sieg gegen Braunschweig wollte der Mittelfeldspieler von Hertha BSC den Trainingsrasen betreten, in Zivil, die Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen. Ein Vereinsmitarbeiter erkannte den Spieler zunächst nicht und wollte ihn des Rasens verweisen. Beide lachten, als das Missverständnis aufflog.

Es ist ja noch immer kein gewohntes Bild, Baumjohann auf dem Feld zu sehen. Am Vortag hatte der 27-Jährige zum ersten Mal seit seinem Kreuzbandriss vor gut acht Monaten wieder in der Startelf gestanden und in 90 Minuten einige Male einen Spielwitz gezeigt, der Hertha zuletzt gefehlt hatte. Mit seiner Leistung war er einer von drei Lichtblicken für die kommende Saison, die die nun versöhnlich austrudelnde Spielzeit schon vorauswirft.

„Viel wichtiger ist doch der erste Heimsieg 2014“, schwächte Baumjohann die Glückwunsche ab, „die Fans haben lange genug gelitten.“ Das hat Baumjohann auch, in der Reha und im Training, um wieder in die alte Verfassung zu kommen. „Ich bin noch nicht in Topform, aber jede Minute hilft.“

Luhukay hat Baumjohann mit Kurzeinsätzen wieder aufgebaut

Am Samstag sah es auch so aus, als würden Baumjohanns gute Minuten auf dem Platz auch Hertha helfen. „Man hat gesehen, dass er das gewisse Extra hat“, sagte Jos Luhukay. Der Trainer hat den Spieler in den letzten Wochen über Kurzeinsätze aufgebaut, im ersten Heimspiel nach dem sichergestellten Klassenerhalt sah er die Gelegenheit, ihn wieder den eigenen Fans zu präsentierten.

„Anfang der Saison war er unglaublich gut dabei“, sagte Luhukay, „wir hoffen, er kommt da wieder hin, vielleicht schon in den letzten beiden Spielen, unser Wunsch ist aber zur nächsten Saison.“ Ob Baumjohann in Bremen und gegen Dortmund wieder 90 Minuten auf den Platz gelassen wird, hängt davon ab, wie er die Belastung verträgt. Am Sonntag radelte er drinnen die Müdigkeit aus den Beinen, während die Mitspieler draußen liefen.

John Anthony Brooks lief auch danach noch weiter und ließ sich vom Klubsprecher nicht zu ein paar Statements überreden. Dabei wäre es interessant gewesen, den Verteidiger zu fragen nach seinem erlösenden Tor zum 1:0 und seinem Jubel danach, als er die Arme wie Schwingen flattern ließ. So schweben eben Spekulationen in der Luft, ob der 21-Jährige damit auf sein schlagzeilenträchtiges Rückentattoo anspielte, das angeblich einen Adler zeigen soll, oder eher darauf, dass er nach vielen Tiefschlägen wieder abhebt.

Brooks' Traumstart in der Bundesliga folgten Fehler und Verletzungen

„Sein erstes Bundesligajahr ist ein Wellental“, sagte Trainer Luhukay stellvertretend. Einem Traumstart mit einem Tor beim Erstligadebüt folgten Fehler, Verletzungen, Kaderstreichungen, monatelanges Schweigen und Vorwürfe, Brooks sei durch seine Tätowierung nur eingeschränkt trainingsfähig gewesen. „Junge Spieler werden nicht nur durch positive Erlebnisse erwachsen, das gehört zum Lernprozess.“ Luhukay lobte das Betragen Brooks’ und seine in den letzten beiden Spielen gezeigte Reife in der Abwehrarbeit. „Wir hoffen, dass er seine Leistungen im nächsten Jahr stabilisiert“, verspricht sich der Trainer von dem fraglos talentierten Nachwuchsmann eine Steigerung, wie auch bei Nico Schulz. Jetzt müsste Brooks nur noch lernen, dass Öffentlichkeitsarbeit Teil des Berufs ist.

Das weiß Sami Allagui längst, der sich auch Nachfragen zu seiner vergebenen Riesenchance in der ersten Halbzeit stellte. „Ich habe mich geärgert, aber ich wusste, ich bekomme noch eine Chance“, sagte der 27-Jährige, der trotz gelegentlicher Abschlussschwächen dann mit seinem neunten Saisontor zeigte, dass Hertha auch nach dem Weggang von Adrian Ramos noch einen treffsicheren Stürmer im Kader hat. Oder Linksaußen, wo er zeitweise gegen Braunschweig spielte. „Kein Problem, aber noch weiter zurück muss ich wirklich nicht mehr“, sagte Allagui. Im Moment blickt man bei Hertha ohnehin eher nach vorne.

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