Nach dem 2:0-Sieg gegen Paderborn : Hertha BSC: Abzüge nur in der B-Note

Durch den 2:0-Sieg gegen Paderborn am Ostersonntag hat Hertha BSC den Verbleib in der Bundesliga so gut wie sicher - weil die Mannschaft nicht unbedingt schön spielt, dafür aber erfolgreich.

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Seltene Freude. Valentin Stocker (rechts, mit Genki Haraguchi) bejubelt das 1:0 gegen den SC Paderborn. Für den Schweizer war es im 19. Spiel für Hertha BSC das erste Bundesligator. Einen besseren Zeitpunkt hätte es kaum geben können. Foto: dpa
Seltene Freude. Valentin Stocker (rechts, mit Genki Haraguchi) bejubelt das 1:0 gegen den SC Paderborn. Für den Schweizer war es...Foto: dpa

Valentin Stocker konnte den Zusammenstoß gerade noch verhindern. Im letzten Moment wich er dem Pfosten aus, dann stockte er kurz, ehe er Richtung Eckfahne abbog und nicht in die Ostkurve mit den jubelnden Fans von Hertha BSC. Man muss Stockers etwas unschlüssigen Laufweg entschuldigen: Der bald 26 Jahre alte Schweizer war ein wenig überfordert mit dieser für ihn völlig neuen Situation. In seinem 19. Spiel für den Berliner Fußball-Bundesligisten und nach stattlichen neun Vorlagen erzielte er gegen den SC Paderborn sein erstes Tor für Hertha. „Er hat sich den perfekten Zeitpunkt dafür ausgesucht“, sagte Manager Michael Preetz.

Was auf Stocker im Kleinen zutraf, galt nach dem 2:0 (0:0)-Sieg gegen den künftigen Absteiger Paderborn im Großen auch für den ganzen Verein: Hertha BSC macht in diesen Tagen einige neue Erfahrungen. Es sind ausschließlich positive.

Zum ersten Mal in dieser Saison konnte Hertha zwei Spiele in Folge gewinnen

Zum ersten Mal in dieser Saison konnte die Mannschaft zwei Spiele hintereinander gewinnen. Und es waren nicht irgendwelche Siege, „das waren zweimal Big Points“, sagte Trainer Pal Dardai. Mit den Erfolgen beim Hamburger SV und gegen den SC Paderborn hielten sich die Berliner zwei Konkurrenten im Abstiegskampf vom Hals. Wobei: Inzwischen darf man durchaus die Frage stellen, ob Hertha überhaupt noch mitkämpft um den Verbleib in der Bundesliga oder ob sich das Thema nicht bereits erledigt hat. „Damit haben sie mit Sicherheit die Klasse erhalten“, sagte Paderborns Trainer André Breitenreiter am Sonntag nach dem Spiel.

Durch den Sieg sprang Hertha mit nunmehr 32 Punkten auf Platz elf in der Tabelle. „Vielleicht ist es das erste Mal, dass der Abstand ein bisschen beruhigend ist“, sagte Valentin Stocker. „Aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen.“ Übertriebene Furcht ist allerdings auch nicht mehr vonnöten. Abgesehen von Rang sechs nach dem 2:2 gegen Werder Bremen am ersten Spieltag stand Hertha in dieser Saison noch nie so gut da. Platz elf ist Ausweis einer beeindruckenden Entwicklung, die das Team gemacht hat, seitdem Pal Dardai die Mannschaft vor zwei Monaten auf dem vorletzten Tabellenplatz übernommen hat. Im achten Spiel unter dem Ungar blieb Hertha zum fünften Mal ohne Gegentor. Das 2:0 gegen Paderborn war zudem das fünfte Spiel hintereinander ohne Niederlage. Angesichts dieser Bilanz nehmen die Berliner und ihre Fans die Abzüge in der B-Note inzwischen recht gelassen zur Kenntnis.

Bis zum Tor von Valentin Stocker war das Spiel eine Zumutung

Bis zu Stockers Tor knapp 20 Minuten vor Schluss war auch das Spiel gegen Paderborn eine ziemliche Zumutung. Nach einer Stunde, als der Ball wieder einmal zu Torhüter Thomas Kraft zurückgespielt wurde, gab es erstmals massive Unmutsbekundungen von den Rängen; kurz vor Schluss dann, nach dem zweiten Tor durch den eingewechselten Nico Schulz, sang der Berliner Anhang: „Nie mehr Zweite Liga.“ Für Hertha zählen im Moment nur die Punkte. „Wir wissen, was noch fehlt“, sagte Dardai. Alles nämlich, was unter die Bezeichnung Spielkultur fällt. Aber das sind für Herthas Trainer im Moment eher nachrangige Themen. Die Mannschaft spielt so, wie man im Abstiegskampf spielen muss. „Die Stabilität sieht gut aus, auch das Umschaltspiel“, sagte Dardai. „Ich bin hochzufrieden mit der Leistung.“

Hertha ist deutlich weiter gekommen, als man Anfang Februar zu träumen gewagt hätte. Mit 32 Punkten haben die Berliner den Verbleib in der Bundesliga schon sieben Spieltag vor Schluss so gut wie sicher. Sie haben bereits jetzt einen Punkt mehr als 2012 am Ende der Saison, als sie in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf die Bundesligazugehörigkeit verspielten. In sechs der vergangenen sieben Jahre hätten 32 Punkte zur endgültigen Rettung gereicht. Doch so wie Hertha im Moment auftritt – stabil, unbequem, unbeugsam – ist es eher ausgeschlossen, dass die Mannschaft alle noch ausstehenden Spiele verlieren und es bis zum Saisonende bei 32 Punkten bleiben wird. Genauso ausgeschlossen ist, dass den minderbemittelten Konkurrenten im Schlussspurt urplötzlich atemberaubende Siegesserien gelingen. Der VfB Stuttgart hat eins der letzten elf Spiele gewonnen, der HSV zwei der letzten dreizehn, Hannover 96 eins der letzten sechzehn Spiele und Paderborn sogar nur eins der vergangenen siebzehn Spiele.

Am Freitag wartet der nächste Abstiegskandidat - dann spielt Hertha in Hannover

Am Freitag trifft Hertha erneut auf einen Konkurrenten im Abstiegskampf. Gegen Hannover und eine Woche darauf, im Heimspiel gegen den 1. FC Köln, können die Berliner auch die letzten mathematischen Zweifel am Verbleib in der Bundesliga beseitigen. Die ganz optimistischen Fans halten inzwischen sogar die Qualifikation für die Europa League noch für möglich. Dass Hertha in sieben Spielen sieben Punkte und fünf Plätze auf Rang sechs gut macht, ist allerdings genauso unrealistisch wie das Gegenteil: dass die Berliner sieben Punkte und fünf Plätze auf den Relegationsrang noch verspielen.

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