Sport : Nach dem Ausschluss ins Ausland? Theloke will für anderes Nationalteam schwimmen

Jürgen Roos

Montreal - Als Stev Theloke am Donnerstag im Mannschaftsquartier der deutschen Schwimmer den Raum betrat, in dem das Urteil über ihn verkündet werden sollte, baute sich Ralf Beckmann in der Tür auf und schickte den Rückenschwimmer wieder hinaus. „Du gehörst nicht mehr dazu“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) und drehte sich um. Dann fiel die Tür ins Schloss. Der Chemnitzer Theloke musste draußen bleiben. Und der weißhaarige DSV-Spitzenmann erläuterte drinnen, so wurde später berichtet, warum er den 27-Jährigen aus dem deutschen Kader bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Montreal streichen und ihn sofort nach Hause schicken wollte.

In einem Interview mit der „Sport-Bild“ hatte der Europameister über 50 Meter Rücken den Sportdirektor scharf kritisiert. Beckmanns Gerede sei „Schall und Rauch“, er würde die Medien „verarschen“ und der Sportler sei „am Ende der Dumme“. Beckmann fragte danach Theloke, ob er die Zitate so freigegeben habe. Der Schwimmer bejahte, und Beckmann gab ihm Gelegenheit, sich von den Äußerungen zu distanzieren. Doch weil Theloke bei seiner Kritik blieb, nahm die Sache ihren Gang. „Ich habe ihn um 10.20 Uhr von seinem Ausschluss informiert“, sagte Beckmann. Sieben Stunden später saß der Chemnitzer im Flugzeug nach Deutschland. Beckmann hatte Thelokes Worte als „vollendete Verleumdung“ und „Äußerungen mit verbandsschädigender Wirkung“ beurteilt, und die Höchststrafe ausgesprochen. Rauswurf aus WM-Kader und dem DSV-Athletenkader – seit Donnerstag ist Theloke ein normaler Zeitsoldat.

Theloke hatte offenbar schon mit Konsequenzen nach dem Erscheinen seines Interviews gerechnet. Deshalb hatte er schon zuvor Kontakte zu anderen Verbänden. „Im Moment denke ich schon, dass ich noch eine sportliche Zukunft habe – aber nicht in Deutschland“, hatte der in Berlin lebende Chemnitzer noch vor seinem Abflug aus Kanada gesagt. „Stev Theloke wird für diese WM bestraft“, sagt unterdessen Ralf Beckmann, „ich bin nicht sein Richter – und er kriegt nicht lebenslänglich.“ Trotzdem drohen Theloke Konsequenzen: Zum Beispiel kann er als Nicht-Kader-Athlet nicht mehr von der Bundeswehr für seinen Sport freigestellt werden.

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