Nach dem Desaster gegen Schweden : Joachim Löw will sich treu bleiben

Joachim Löw bekennt sich nach dem 4:4 gegen Schweden öffentlich zu eigenen Fehlern. Seinen Prinzipien aber bleibt der Bundestrainer treu - das ist eine gute Nachricht für den deutschen Fußball.

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Joachim Löw.
Joachim Löw.Foto: dpa

Joachim Löw hat als Bundestrainer viele Jahre auf der Sonnenseite der öffentlichen Wahrnehmung gestanden. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde er als Guru des schönen Spiels gefeiert, als der Mann, der den Kombinationsfußball und die Spielfreude nach Deutschland gebracht hat. Irgendwann in diesem Sommer ist die Stimmung gekippt: Löw war mit einem Mal der Halbfinal-Vercoacher, ein Verräter der deutschen Fußballtradition und ein Schöngeist, mit dem die Nationalmannschaft auf Jahre hinaus nichts mehr gewinnen werde.

In der aufgeregten Debatte schwang auch so viel Irrationales mit, dass Löw gedacht hat, es sei besser, gar nicht erst darauf zu reagieren. Inzwischen hat er festgestellt, dass dies ein Fehler war: anstatt im Sommer kommentarlos abzutauchen, hätte er unmittelbar nach der Halbfinalniederlage gegen Italien ein paar klärende (und selbstkritische) Worte sprechen sollen. Das zeigt nun seine Reaktion auf das 4:4 gegen Schweden vor einer Woche, das die Nation ähnlich aufgewühlt hat wie das 1:2 gegen Italien bei der EM.

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Ursprünglich wollte Löw sich schon am Samstag im Fernsehen erklären. Doch nachdem sein Gesundheitszustand dies verhindert hatte, stellte er sich nun den Nachrichtenagenturen für ein Interview zur Verfügung. Löw hat sich darin auch zu eigenen Fehlern bekannt. Ja, als das Spiel gegen die Schweden zu kippen begann, hätte er anders wechseln und die Defensive stärken müssen.

Der Fehler lag für Löw also im Detail, nicht im System. Für seine Kritiker klingt das wie die Drohung, einfach so weiterzumachen wie bisher; doch wer die Arbeit des Bundestrainers nüchtern bewertet, muss im Namen der Spielfreude froh sein, dass Löw sich und seinen Prinzipien treu bleibt. „Wir müssen an gewissen taktischen Dingen arbeiten“, sagt er. So wie es für das Offensivspiel Automatismen gibt, die zuletzt atemberaubend funktioniert haben, so sollen die Nationalspieler künftig auch klare Leitlinien für die Defensive erhalten. Joachim Löw will wieder das sein, was er am besten kann: Fußballlehrer. Die schlechteste Nachricht ist das ganz sicher nicht.

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