• Nach dem Sieg gegen den VfB Friedrichshafen: BR Volleys: Mit langem Atem auf zu neuen Zielen

Nach dem Sieg gegen den VfB Friedrichshafen : BR Volleys: Mit langem Atem auf zu neuen Zielen

Die BR Volleys sind Meister, Pokal- und Europapokalsieger. Doch ausruhen wollen sie sich nicht darauf. Der Klub hat viel vor in der Zukunft.

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Zum Abheben. Trainer Roberto Serniotti (Mitte) genoss offensichtlich den Jubel mit den Spielern der BR Volleys – Fortsetzungen wären deshalb gerne erwünscht.  Foto: imago/Sebastian Wells
Zum Abheben. Trainer Roberto Serniotti (Mitte) genoss offensichtlich den Jubel mit den Spielern der BR Volleys – Fortsetzungen...Foto: imago/Sebastian Wells

Berlin - Es war eine wackelige Angelegenheit, aber weil sich Kaweh Niroomand an Felix Fischers Kopf festhielt, konnte er halbwegs stabil auf dem Tisch stehen. Der Manager der BR Volleys war am späten Sonntagabend in einer Bar in der Nähe des Alexanderplatzes auf diesen exponierten Platz geklettert, um die Triple-Party einzuläuten. Die Berliner feierten ja nicht nur die Meisterschaft, sondern auch den Gewinn des DVV-Pokals und des europäischen CEV-Pokals.

Niroomand war verständlicherweise bester Laune. Und so ließ er sich zu unterhaltsamen Lobeshymnen auf seine Mannschaft hinreißen („Ich hätte nie gedacht, dass so alte Männer wie ihr noch so gut Volleyball spielen“), wurde aber auch selbst parodiert. Mittelblocker Fischer, den Niroomand scherzhaft zum neuen Pressesprecher ernannt hatte, imitierte seinen aufgedrehten Chef. Fischer verstellte die Stimme und sagte: „Ich danke allen, die sich so für das Projekt engagieren! Das Projekt! Das Projekt!“ In der Bar brach schallendes Gelächter aus.

Wenn Niroomand über die Volleys redet, fällt diese Beschreibung immer wieder. Der 63-Jährige will damit zeigen, dass die Volleys nie fertig sein wollen, sondern ein sich ständig weiterentwickelndes Sportprojekt sind. In den vergangenen Jahren ist dies ihm und seinen Mitstreitern in enorm hohem Tempo gelungen. Im Vorjahr richteten die Berliner das Finalturnier der Champions League aus und wurden dabei Dritter. Und nun holten sie drei Titel in einer Saison.

Die Frage, was nun als Nächstes kommen kann, beschäftigte Niroomand bereits am Sonntag nach der Siegerehrung in der Max-Schmeling-Halle. Er weiß ja, dass so ein Jahr nur sehr schwer zu wiederholen, geschweige denn zu überbieten ist. Wie wichtig weitere Erfolge der Volleys für die gesamte Sportart in Deutschland wären, betont sogar der Gegner. So sagte Friedrichshafens zurückgetretener Trainer Stelian Moculescu der „dpa“: „Man muss versuchen, Berlin so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Denn wenn das stirbt, stirbt alles. Ich hoffe, dass sie einen langen Atem haben.“

Bei neuen Zielen fällt nun schnell das Stichwort Champions League. „Das ist aber vor allem eine Frage der Rahmenbedingungen“, sagt Niroomand. „Natürlich wollen wir in der Champions League weiterkommen, aber da gibt es mindestens zwölf Klubs in Europa, die finanziell besser aufgestellt sind.“

„Die Champions League zu gewinnen, ist so schwierig“

Trainer Roberto Serniotti reagierte auf die Frage, wie sich diese Saison der Volleys noch steigern lasse, ebenfalls zurückhaltend. „Die Champions League zu gewinnen, ist so schwierig“, sagte der Italiener – und schob hinterher: „In diesem Jahr wäre es für uns unmöglich gewesen, Teams wie Kasan oder Trentino sind einfach zu stark.“ Wenn die Volleys also dichter an diese Topklubs heranrücken wollen, müssen sie weiter so clever auf dem Transfermarkt agieren wie vor dieser Saison, als sie in Paul Lotman, Tsimafei Zhukouski und Nicolas Le Goff drei große Verstärkungen verpflichteten. Zugleich müssen sie um den Verbleib der besten Spieler kämpfen, denn die Erfolge haben das Interesse vieler Vereine geweckt.

So ist Libero Erik Shoji sehr umworben. Auch Diagonalangreifer Paul Carroll sagte am Sonntag, es sei noch nicht sicher, ob er in der nächsten Saison wieder in Berlin spiele. Niroomand betonte zwar: „Bei den meisten sieht es gut aus mit einer Verlängerung.“ Bei Shoji wollte er sich jedoch nicht festlegen. Und der US-Amerikaner sagte lediglich: „Es steht noch nichts fest.“

Dennoch strebt Niroomand an, den Kader punktuell zu verbessern, wie er betont. Der kongolesische Mittelblocker Magloire Mayaula vom TV Bühl soll ein Kandidat sein. Um Platz für Neuverpflichtungen zu schaffen, müssten aber auch einige Ersatzspieler gehen: offenbar könnte es Francesco De Marchi und Arpad Baroti treffen. Es wird sich also weiter noch einiges bewegen beim Projekt Volleys.

Die Saison-Abschlussfeier der Volleys findet an diesem Dienstag um 19 Uhr in der Max-Schmeling-Halle statt. Und weil es bei den BR Volleys so viel zu feiern gibt, lädt auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, am Montag, 9. Mai 2016, um 14.30 Uhr zum Empfang. Spieler, Trainer und Management werden sich ins Gästebuch von Berlin eintragen.

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