Sport : Nach der EM macht er Schluss

DFB-Präsident Zwanziger kündigt Rücktritt 2012 an.

Robert Ide
Foto: dapd
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Berlin - An manchen Führungseigenschaften von Theo Zwanziger konnte man zuletzt zweifeln, eine aber hat er sich bewahrt: die Öffentlichkeit zu überraschen. Kurz nachdem die Fußball-Nationalmannschaft am Freitagabend ihre schweren EM-Lose zugewiesen bekam, verkündete der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) seinen Rücktritt, zumindest als Ankündigung. „Im Jahr 2013 stehe ich nicht mehr als Präsident zur Verfügung“, ließ der 66-Jährige auf der DFB-Weihnachtsfeier in Neu-Isenburg wissen.

Schon ab Oktober 2012 könnte ein Nachfolger das Amt übernehmen. Zwanziger teilte dazu auf der DFB-Homepage mit: „Ich bin seit einigen Monaten mit einer Persönlichkeit im Gespräch, die ich für sehr geeignet halte.“ In Verbandskreisen geht man von zwei Favoriten aus: DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der für Zwanziger zuletzt die Administration leitete. Und der starke süddeutsche Verbandschef Rainer Koch, der allerdings nach Kritik an Zwanziger als DFB- Vize entmachtet worden war. Chancen hätte nach Einschätzung von Experten auch Ligapräsident Reinhard Rauball.

Die Kritik an Zwanzigers Amtsführung war zuletzt massiv. Immer öfter suchten den größten Sportverband der Welt Skandale heim, die Zwanziger nicht in den Griff bekam. In der Schlammschlacht um den früheren Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell, dem sexuelle Nötigung vorgeworfen worden war, schlug er sich auf die Seite des möglichen Opfers, des jungen Referees Michael Kempter – trotz dessen zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Amerell dagegen wurde nie angehört und startete einen Rachefeldzug, der mit von ihm ausgelösten Razzien der Steuerfahndung bei Spitzenschiedsrichtern einen Höhepunkt fand. Ankündigungen Zwanzigers missrieten zuweilen: Eine Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw platzte zunächst. Nach dem Suizidversuch des Schiedsrichters Babak Rafati breitete Zwanziger ungefragt Details des versuchten Selbstmordes aus. Zudem reagierte er bei Kritik an seiner Person oder seinem Amtsverständnis, etwa nach der Wahl in der Fifa-Exekutive, übersensibel.

Theo Zwanziger war 2004 vom gewissenhaften Schatzmeister zum DFB-Präsidenten aufgestiegen – bis 2006 noch gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder. Mit Verve klärte er die NS-Vergangenheit des DFB und die Betrugs-Affäre um Schiedsrichter Robert Hoyzer auf. Er öffnete den Fußball für Gesellschaftsthemen: Seine Rede nach dem Tod des an Depressionen erkrankten Torwarts Robert Enke ging ins nationale Gedächtnis ein. Zwanziger tritt auch gegen Homophobie ein und förderte den Frauenfußball; bei der Heim-WM 2010 schied das von ihm geförderte deutsche Team aber früh aus.

Zwanziger hat als Präsident noch eine Chance auf einen Titel: seine letzte EM.

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