Sport : Nach Schüttlers Verletzung Hoffnungen auf Prinosil

Dunkle Regenwolken über Adelaide, die "Mission Impossible" vor Augen, doch Deutschlands Daviscup-Teamchef Carl-Uwe Steeb ist vor dem Viertelfinale am Wochenende gegen Australien bester Dinge. Ausgerechnet in der vermeintlichen Chancenlosigkeit seiner Mannschaft sieht Steeb die einzige Chance: "Wir haben keinen Druck. Australien ist Favorit, das ist unser Vorteil. Wenn wir am ersten Tag einen Punkt holen, ist für uns der Sieg drin. Deswegen sind wir schließlich auch hier."

Nahezu alles spricht im sechsten Vergleich mit Australien gegen das deutsche Team. Die beiden Topspieler Thomas Haas und Nicolas Kiefer fehlen, Rainer Schüttler hat sich im Training einen Muskelfaserriss zugezogen. Im Gegensatz dazu strotzen das australische Team im Allgemeinen und Senkrechtstarter Lleyton Hewitt im Besonderen vor Selbstvertrauen, Rasen ist der Lieblingsbelag der Gastgeber. "Viele sagen, Australien ist unschlagbar. Aber im Daviscup passieren die unglaublichsten Dinge. Das ist unsere Chance", betont David Prinosil. Der "Schattenmann", eigentlich ein Vertreter der stillen Zunft, beansprucht angesichts der durcheinander gewirbelten Hackordnung die interne Führungsrolle in der deutschen Mannschaft. "Ich werde der Spieler sein, der am meisten gefordert sein wird", sagt der 27-jährige Amberger, der voraussichtlich zwei Einzel und das Doppel mit Marc Goellner bestreiten wird.

Den Part der deutschen Nummer eins sollte eigentlich Schüttler übernehmen. "Der Boden liegt mir. Der Ball springt sehr hoch ab, weil der Untergrund härter ist als beispielsweise in Wimbledon", sagt er. Schüttlers Einsatz ist allerdings wegen des Muskelfaserrisses im Unterschenkel gefährdet, zudem gilt er nicht unbedingt als einer der Nervenstärksten. Beim 4:1 gegen die Niederlande in Leipzig versagte er gegen Sjeng Schalken, auch beim Play-off-Spiel im September 1999 in Rumänien verlor er gegen Andrei Pavel. Doch in den Tagen von Adelaide vermag nahezu nichts das deutsche Team zu erschüttern. Dabei machte Dauerregen das Training im Memorial Drive Stadion zunächst unmöglich. Erst mit vier Stunden Verzögerung konnte das Tagespensum von knapp zwei Stunden absolviert werden. Völlig unbehelligt, nur beobachtet von vier gelangweilten Rentnern. Das Los eines Underdogs.

In den Tagen vor dem drohenden Debakel gegen Lleyton Hewitt und Co. herrscht im Team "Deutschland B" Zweckoptimismus. Kein Wunder. Haas sitzt mit einer Hüftverletzung in Florida und kommuniziert nur via Internet täglich mehrfach mit seinen Kollegen. Der Fall Kiefer ist seit Sonntag abgehakt, als Steeb ihn zu einem Comeback überreden wollte, ihn aber nicht erreichte. Auf der Liste der Abwesenden steht überraschend auch DTB-Präsident Georg von Waldenfels, der die Reise nach Australien gar nicht erst antrat. Auch Boris Becker soll sich nach der Absage von Haas angeblich bereits gegen die Reise ans andere Ende der Welt entschieden haben.

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