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Nachfolger von Rangnick : Huub Stevens kehrt zu Schalke zurück

Huub Stevens wird Nachfolger von Ralf Rangnick, der in der Vorwoche aus gesundheitlichen Gründen als Trainer bei Bundesligist Schalke 04 zurückgetreten war. Der neue Coach und der Klub kennen sich gut.

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Huub Stevens kehrt zu seinem alten Arbeitgeber Schalke 04 zurück.
Huub Stevens kehrt zu seinem alten Arbeitgeber Schalke 04 zurück.Foto: dpa

Huub Stevens hat es noch nie darauf angelegt, durch sein modisches Erscheinungsbild zu bestechen. Zu seiner Antrittspressekonferenz kombinierte der neue Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 den Trainingsanzug mit Badelatschen, nachdem er am Vormittag das Training geleitet hatte. Stevens trat vor die Hundertschaft Medienschaffender, als wollte er sagen: Ich bin wieder daheim, und zu Hause kleiden sich ja viele Menschen ein wenig nachlässiger als sonst.

In Gelsenkirchen kennt ihn so gut wie jeder, der sich für Fußball interessiert. Vor fast genau 15 Jahren hatte Stevens schon einmal auf Schalke angeheuert und dann eine der erfolgreichsten Epochen der Vereinsgeschichte geprägt. Jetzt erhoffen die Königsblauen sich ein Remake jener guten alten Zeit, in der Schalke den Uefa-Cup und zweimal den DFB-Pokal gewonnen hat. Der Bundesligaverein stellte den 57 Jahre alten Stevens als Nachfolger Ralf Rangnicks ein, der wegen eines vegetativen Erschöpfungssyndroms überraschend zurückgetreten war. „Wir haben eine schnelle und zugleich die beste Lösung gefunden“, sagte Sportdirektor Horst Heldt, der sich mit Stevens über einen Vertag bis Juni 2013 geeinigt hat. Wie es heißt, hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies sich vehement für Stevens ausgesprochen.

Bei aller Wiedersehensfreude muss Stevens gespürt haben, dass sein zweiter Dienstantritt in Schalke auch von Skepsis begleitet wird. Also schlug er vor, nicht verklärt zurückzublicken auf die früheren Erfolge, sondern den Fokus auf die Zukunft zu richten. „Was damals war, ist nicht mehr wichtig“, sagte er und versprach „Fußball, mit dem die Fans sich identifizieren“.

Seinen Einstand im Spielbetrieb gibt Stevens am Donnerstag beim Europa-League-Heimspiel gegen Maccabi Haifa. Zuletzt hatte Schalke, zumindest im eigenen Stadion, Angriffsfußball Marke Rangnick gezeigt mit vielen Toren und Gegentoren und vielen jungen Spielern, alles Faktoren, die der Beobachter nicht automatisch mit Fußball a la Stevens in Verbindung bringt. Der Leitsatz des Niederländers steht seit seiner ersten Schalker Zeit wie in Stein gemeißelt: „Die Null muss stehen.“

Ob er diese Sorte Fußball weiter bevorzuge, wurde Stevens gefragt. Er antwortete lächelnd, und fast hätte man meinen können, es schwinge ein bisschen Selbstironie mit. „Immer wieder“, sagte der Trainer. „Die Null muss stehen.“ Er ist nicht nur äußerlich – die Haare streng zurückgekämmt, sein Gegenüber mit funkelnden Augen fokussierend – der Alte geblieben in den Jahren, die er in Berlin, Köln, Kerkrade, Hamburg, Eindhoven und Salzburg mal mehr, mal weniger erfolgreich verbrachte. Stevens strahlt vor allem eins aus: Verlässlichkeit.

Noch wichtiger als die Spielkultur scheint den Schalkern, jemanden zu haben, der den Klub kennt, der mit der Wucht der Fan-Gefühle fertig wird, der sich nicht einzuleben braucht, bei dem nicht die Gefahr eines Kulturschocks besteht. All diese Vorzüge resultieren aus der Geschichte, in die Stevens als Schalke-Trainer des Jahrhunderts eingegangen ist. Wie weit seine Verdienste um den Klub auch zurückliegen mögen – der historische Hintergrund seiner Arbeit qualifiziert Stevens mehr als alles andere. „Wir wollen keine Experimente, wir wollen Stabilität und Sicherheit“, sagt Heldt.

Deshalb habe Schalke den Niederländer heimgeholt. Als Hilfsargument liefert der Manager den Blick auf die Tabelle, genauer: auf die Tordifferenz. 15:12. Diese Bilanz lässt nach sechs Runden auf gute Unterhaltung schließen, aber auch auf eine noch „fehlende Balance“. Bei den Gegentoren hat Schalke den drittschlechtesten Wert der Liga, das muss Stevens verändern. Aber als Grund, der für Stevens spricht, kommt ihnen diese Zahl so gelegen wie der Blick nach München. Es gebe viele gute junge und ambitionierte Trainer in der Bundesliga, sagt Heldt, „aber auch Trainer, die ein bisschen älter sind, die wieder nach Hause kommen und dort mit jungen Spielern arbeiten“.

Gemeint ist Jupp Heynckes, der beim FC Bayern sogar schon zum dritten mal angefangen hat und dort eine hervorragenden Start hatte. Die Münchner sind also nicht mehr nur Tabellenführer, sondern mit einem erfahrenen Trainer auch Trendsetter für Schalke 04, den zweitgrößten Klub des Landes.

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