Nachhaltigkeit gescheitert : Formel 1: Rückkehr zur Machoformel

Die Formel 1 kann den Zuschauerschwund nicht aufhalten und rätselt ob der Gründe. Das neue Allheilmittel: Autos mit 1200 PS und breiteren Reifen. Ein Kommentar.

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Keine Daseinsberechtigung mehr? Die Formel 1 grübelt, warum die Zuschauer wegbleiben.
Keine Daseinsberechtigung mehr? Die Formel 1 grübelt, warum die Zuschauer wegbleiben.Foto: dpa

Die Formel 1 in Deutschland steht vor dem Aus. Der Große Preis wird wohl nicht wie geplant im Juli auf dem Nürburgring stattfinden. Nach der Insolvenz der Strecke herrschen nebulöse Eigentumsverhältnisse, auch der Hockenheimring zögert einzuspringen. Die Angst vor Verlusten ist zu groß, weil zu wenig Zuschauer an die Strecke kommen, um Ecclestones hohe Antrittsgebühren zu refinanzieren. Es droht das erste Formel-1-lose Jahr im Land der Autofahrer seit 1960.

Vielleicht liege der Zuschauerschwund in Deutschland daran, dass Michael Schumacher nicht mehr fahre, analysierte Ecclestone. Dabei weiß er selbst, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Die sinkende Begeisterung für die Rennserie ist kein deutsches Phänomen. Auf der ganzen Welt hat die Formel 1 in den letzten Jahren fast ein Viertel ihrer Zuschauer verloren.

So bemängelt denn auch der Fernsehsender RTL, der 2014 im Durchschnitt eine Million Zuschauer verlor, nicht fehlende Stars, sondern vor allem die „unverständlichen Regeln“. Und Niki Lauda kritisiert, die aktuellen Wagen seien schuld. Der Aufsichtsratschef des Weltmeisters Mercedes fordert wieder echte Ungetüme als Autos mit 1200 PS und breiten Reifen. Er befürchtet: „Wenn wir so weitermachen, wird die Tendenz zu allgemeinem Desinteresse an der Formel 1 noch verstärkt.“

Die Formel 1 wollte grüner werden, sich mit der leisen und komplizierten Spritsparelektroformel dem Zeitgeist der Nachhaltigkeit anpassen. Doch nachhaltig sind Autorennen eben per se nicht. Wenn sie nun nicht einmal mehr denen Spaß machen, die diese Unvernunft in Kauf nehmen, dann hat sie keine Daseinsberechtigung mehr. Mit dem grünen Weg ist die Rennserie gescheitert. Die Rückkehr zur Machoformel ist vermutlich der einzige Weg, die Formel 1 vor dem Aus zu retten – ob in Deutschland oder anderswo.

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