NACHRICHTEN : Sein Gegner: die Kneipe

Walter Frosch zählte zu den chaotischsten Profis – noch heute genießt er bei St. Pauli Kultstatus

Kevin Bornfleth
Foto: promo
Foto: promoFoto: IMAGO

EISHOCKEY

Augsburg zieht ins Play-off-Finale ein

Die Augsburger Panther haben sich erstmals für das Play-off-Finale um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Durch ihren 3:2-Erfolg im Heimspiel am Freitag bezwangen sie den EHC Wolfsburg in der Best-of-five-Serie mit 3:1-Siegen. Ab Dienstag trifft Augsburg in der Endspielserie auf die Hannover Scorpions. dpa

Deutschland schlägt Norwegen 3:0

Das deutsche Nationalteam hat Norwegen beim Test für die WM im Mai 3:0 besiegt. Michael Wolf, André Rankel und Christoph Gawlik schossen vor 5100 Zuschauern in Crimmitschau die Tore. dpa

FUSSBALL

Advocaat wird Trainer Russlands

Einen Tag nach dem Rücktritt als Nationaltrainer Belgiens hat Dick Advocaat gestern seinen Wechsel zum russischen Nationalteam bestätigt. Derzeit würde aber noch über die Einzelheiten des Vertrags verhandelt, sagte Advocaat. dpa

HANDBALL

Füchse: Vatne wird operiert

Die Bundesligasaison ist für Füchse-Abwehrchef Stian Vatne beendet. Der Norweger muss am Knie operiert werden. Wieder einsatzbereit ist dagegen Linksaußen Konrad Wilczynski.Tsp

Berlin - Man sagt, Torhüter und Linksaußen werden im Fußball von eher verrückten Typen besetzt. Am St.Pauli-Urgestein Walter Frosch dürfte es nicht gelegen haben, dass Außenverteidiger in dieser Binsenweisheit des Fußballs nicht vorkommen: Als beinharter Abwehrspieler machte sich der gelernte Schornsteinfeger aus Ludwigshafen in seiner Fußballerkarriere einen schillernden Namen. Noch heute besitzt er Kultstatus im Hamburger Stadtteil St. Pauli.

Dort spielte er ab 1976, nachdem er zuvor für Arminia Ludwigshafen, Regionalligist SV Alsenborn und Bundesligist 1. FC Kaiserslautern aktiv war. Er zählte zu den wenigen Profis, die während ihrer Karriere stark rauchten. „Erst war es jeden Tag eine Packung, dann wurden es immer mehr“, erzählt Walter Frosch, der nach eigenen Angaben bis zu 50 Zigaretten am Tag verqualmte. Neben seinem starken Nikotinverlangen existieren viele Anekdoten über die sportlichen Laster des Hamburgers. In seiner ersten Saison für St.Pauli erhielt Frosch 27 Gelbe Karten in nur 37 Spielen. Daraufhin führte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die automatische Spielsperre nach damals vier – heute fünf – Gelben Karten ein. „Das war richtig, was die gemacht haben“, kommentiert Frosch heute die Strafmaßnahme des Verbandes gegen sich.

Einmal erschien er nach einer durchzechten Nacht mit einem Kater am Betzenberg zum Spiel seines 1. FC Kaiserslautern gegen den FC Schalke 04 und begründete seine roten Augen gegenüber Trainer Erich Ribbeck mit einer Bindehautentzündung. Ob er dabei ein ungutes Gefühl hatte? „Überhaupt nicht“, antwortet der heute 59-Jährige. „Ich wusste, dass ich auf dem Platz meine Leistung bringe.“ Überzeugt von sich war Frosch immer. Jupp Derwall versprach ihm einst eine Einladung zur B-Nationalmannschaft für den Fall, dass seine Leistungen – damals bei Lautern – beständig bleiben würden. Frosch antwortete: „Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl.“

Jener Lebensstil, den Frosch mit den Worten „mein schwerster Gegner war die Kneipe“ beschreibt, war es auch, den Ribbeck kritisierte: „Wenn du nicht so viel rauchen und saufen würdest, dann würdest du noch besser spielen.“

Heute lebt Frosch nach diversen Krebsoperationen in Hamburg-Niendorf und ist derzeit in einem Krankenhaus zur Hautbehandlung. St. Paulis Auswärtsspiel beim 1. FC Union wird Walter Frosch nicht am Fernseher verfolgen können, weil es am Krankenbett keinen gibt. Dennoch hofft er auf einen Auswärtserfolg seines Klubs, über dessen möglichen Aufstieg er sich „ganz doll freuen würde“. Walter Froschs Verein soll schillern wie er selbst.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben