Sport : Nachspiel: Hristovs Fall

Auf der Bank des 1. FC Kaiserslautern hielten sie sich in offener Schadenfreude die Bäuche vor Lachen. Sensiblere Seelen versteckten ihr Grinsen hinter vorgehaltener Hand. Von den Tribünen des Fritz-Walter-Stadions schallte ein Gelächter, als hätte Edgar Steinborn für alle hörbar den Witz des Jahres erzählt. Dabei hatte er nur gepfiffen. Elfmeter. Einen Elfmeter, der so offensichtlich keiner war, dass scheinbar jeder der 40 000 Zuschauer es gesehen hatte. Nur derjenige, der eigentlich fürs Aufpassen da ist, der Schiedsrichter nämlich, erkannte einen Regelverstoß. Der Fifa-Referee, kein unerfahrener Mann seines Metiers also, begründete den Pfiff später mit "Sperren ohne Ball".

Mit den Händen imitierten einige Zuschauer die Flugkurve des Bulgaren Marian Hristov. Flugkurve? Nach einer Sperrung? Der Lauterer Stürmer ging zu Boden, als sei er vom Blitz getroffen. Dabei hatte ihn niemand berührt, auch nicht der Schalker Kapitän Tomasz Waldoch, der ihm noch am nächsten stand und von Hristovs Fall am meisten überrascht wurde: "Der wiegt 100 Kilo und fällt einfach um", sagte der Pole entsetzt. Nun war es so, dass die Schalker bis zu jener 67. Minute souverän 2:0 führten, am Ende jedoch 2:3 verloren. Wie schon so oft am Betzenberg hatte ein Elfmeter die Wende eingeleitet, was den Schalker Trainer Huub Stevens zu der Bemerkung hinriss: "Wenn man am Betzenberg spielt, weiß man, dass man gegen zwölf Mann spielt."

Nun war auf der Tribüne auch noch Eugen Striegel zu sehen, einer der Wenigen, die nicht gelacht haben. Er ist Schiedsrichter-Beobachter und muss einen Bericht schreiben. Vor ein paar Jahren ist Andreas Möller einmal wegen einer Schwalbe nachträglich gesperrt worden. Vielleicht erwischt es diesmal Hristo. Oder Edgar Steinborn? Irgendeine Sperre würde dem Fall Hristovs gut tun. Auf dem Rasen des Betzenbergs hat es jedenfalls keine gegeben. MARTIN HÄGELE

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben