Sport : Nachspiel: Kampfschwein Möller

Stefan Hermanns

Die Statistiker haben den 13. Spieltag abgehakt. Wir aber müssen noch mal auf etwas zurückkommen - wie jeden Montag.

Manchmal sind es die kleinen Szenen, die große Geschichten erzählen: 77 Minuten waren im Gelsenkirchener Parkstadion gespielt, als Andreas Möller im Mittelfeld den Ball aufnahm und Richtung Bayern-Tor eilte. Kurz vor dem Strafraum schien der Konter allerdings schon wieder gestoppt. Möller hatte sich den Ball zu weit vorgelegt, Sagnol dadurch die Möglichkeit erhalten, die Gefahr zu bannen. Doch Möller, seit E-Jugend-Zeiten als Weichei verschrieen, suchte das Duell mit dem Abwehrspieler und wagte den Pressschlag, der so wehtun kann, wenn er nur halbherzig angegangen wird. Möller aber gewann das Duell, der Glücksball brachte Emile Mpenza in Position, sein Schuss ging nur knapp am Tor vorbei.

Andreas Möller? Der Held mit dem harten Fuß, das neue Schalker Kampfschwein. Früher hätte er vielleicht im entscheidenden Moment gezuckt und den Fuß zurückgezogen. "Imponiert hat mir Andy Möller", sagte daher auch Hollands Nationaltrainer Louis van Gaal nach Möllers zwölftem Bundesliga-Einsatz für Schalke, der vermutlich sein bester war. Möller, der Mann mit dem großen Namen, hatte bisher erstaunlich wenig Anteil am königsblauen Höhenflug dieser Saison. Er sollte der Individualist in einem starken Kollektiv sein, einer, der die kniffligen Spiele mit einer Einzelleistung entscheidet. Doch bisher war der frühere Nationalspieler in Gelsenkirchen oft nicht mehr als ein Mitläufer.

Am Sonnabend war dies erstmals anders: Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, in Dortmund dreieinhalb Jahre Möllers Chef, bescheinigte ihm ein großartiges Spiel. "Sein Tor war mitentscheidend für unsere Niederlage." Möllers Treffer zum 1:1-Ausgleich war sein erstes Tor im Schalker Trikot, im zwölften Spiel, nach 1044 erfolglosen Minuten. "Das war wie eine Befreiung", sagte Möller. Und es war eine Reminiszenz an alte Tage: Möller spurtete zwischen zwei Verteidigern hindurch in den Strafraum und schob den Ball an Torhüter Kahn vorbei ins Tor. Wie damals, als Andreas Möller den Beinamen "Turbo" trug.

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