Sport : Nachwuchs forscht

Hockey-Herren droht bei der Champions Trophy der Abstieg

Tobias Erlemann

Der Ärger im Vorfeld war groß. Sogar von einer Schande für Deutschland war die Rede. Dabei hat der deutsche Hockey-Bundestrainer Bernd Peters nur logisch gedacht: Er schont seine Weltmeister-Truppe für die Europameisterschaft (1. bis 13. September in Barcelona) und gibt überwiegend jungen Nachwuchsspielern die Chance, sich bei der Champions Trophy der sechs weltbesten Nationen im holländischen Amstelveen zu beweisen.

Bisher schlägt sich die junge Truppe (Durchschnittsalter 21,7 Jahre) achtbar. Im ersten Spiel gegen Rekord-Olympiasieger Indien verlor Deutschland unglücklich mit 2:3. Der Stuttgarter Benedikt Sperling (25. Minute) und der Hamburger Alexander Strehmel (47.) brachten Deutschland zweimal in Führung, ehe Gagan Ajit Singh (42./69.) und Prabjat Singh (61.) das Spiel zu Gunsten der Inder entschieden: „Wir haben uns teuer verkauft. In einigen Situationen hat noch die Cleverness gefehlt, bei einer jungen Mannschaft nicht verwunderlich“, sagt Peters.

Auch im zweiten Spiel kassierte die deutsche Truppe eine Niederlage. Gegen Argentinien zog Deutschland mit 1:3 den Kürzeren. Den Ehrentreffer erzielte Niklas Meinert vom Dürkheimer HC. Die Deutschen waren gegen den frisch gekürten Panamerika-Meister von Anfang an unter Druck und über 70 Minuten die unterlegene Mannschaft.

Bereits Anfang 2003 hat der Deutsche Hockey-Bund (DHB) einen Nationalkader von 40 Spielern berufen, um die Belastungen der Spieler zu reduzieren: „Diese Mannschaft ist keine Verlegenheitslösung“, betont Peters. „Das sind alles Spieler, die in meinen Plänen für die nächsten Jahre eine wichtige Rolle spielen.“ Der Bundestrainer ist von der Qualität seines Teams in Holland überzeugt.

Die Entscheidung des DHB, die Topspieler bei der Champions Trophy zu schonen, wird dennoch kritisch beäugt. Der Hockeyweltverband FIH denkt sogar über Sanktionen gegen Deutschland nach. „Wir haben alles getan, um den DHB zu einer Änderung seiner Pläne zu bewegen“, sagt FIH-Generalsekretär Peter Cohen verärgert. Deswegen werde auf der nächsten Weltverbandssitzung über Strafen beraten, erklärte der Funktionär.

Dort sollte der FIH auch über seine eigenen Planungen diskutieren. Zwei große Turniere innerhalb von drei Wochen anzusetzen, zeugt nicht gerade von Sachverstand. Eigentlich sollte die Champions Trophy bereits Anfang Juni im britischen Milton Keynes stattfinden. Nach finanziellen Problemen der Briten wurde das Turnier kurzerhand nach Holland verlegt, direkt vor die wichtige Europameisterschaft. Dort geht es für Deutschlands Hockey-Herren um die Qualifikation für Olympia 2004. Der neue Europameister ist beim Höhepunkt im nächsten Jahr dabei. „Man kann nicht zwei große Turniere innerhalb kurzer Zeit voll durchziehen. Wir haben auf eine Karte gesetzt – auf die EM“, erklärt Peters seine Entscheidung.

Bei der hochkarätig besetzten Champions Trophy droht dem jungen deutschen Hockeyteam als Tabellenletzter der Abstieg aus der A-Gruppe. Dies wurde vom DHB mit der Berufung der Nachwuchsspieler in Kauf genommen. Gleichzeitig ist das deutsche Weltmeisterteam nun zum EM-Erfolg verpflichtet. Ansonsten hätten die deutschen Hockey-Herren nicht nur die vermeintliche Schande, sondern auch Häme und Spott zu ertragen.

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