Nationalmannschaft - EM-Qualifikation : Motzki Mats Hummels

Der Dortmunder Mats Hummels wehrt sich vor dem Spiel der Deutschen in Irland gegen den Vorwurf, die Schuld stets bei anderen zu suchen.

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Verteidiger in eigener Sache. Mats Hummels hat zuletzt viel Kritik für seine Kritik an der eigenen Mannschaft geerntet. Foto: Imago/Perenyi
Verteidiger in eigener Sache. Mats Hummels hat zuletzt viel Kritik für seine Kritik an der eigenen Mannschaft geerntet.Foto: Imago/Perenyi

Mats Hummels hat sich sehr gewissenhaft auf seinen Auftritt mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorbereitet. Vor dem Abflug zum heutigen EM-Qualifikationsspiel (20.45 Uhr, live bei RTL) in Irland hat der Innenverteidiger sogar ein privates Videostudium betrieben. Mats Hummels hat sich ein Interview angeschaut, das Mats Hummels am Sonntag unmittelbar nach der 1:5-Niederlage mit Borussia Dortmund gegen den FC Bayern gegeben hatte – und das einigen Wirbel ausgelöst hat, weil es als unzulässige Kritik an den eigenen Kollegen gedeutet worden war. Hummels selbst hatte das Gespräch anders in Erinnerung, und nach Ansicht der Fernsehbilder „konnte ich auch bei meiner Meinung bleiben“.

Für Hummels steckt ein gewisses System dahinter, dass er in der Öffentlichkeit gerade als nur bedingt teamfähig rüberkommt. „Ich bin es gewohnt, dass Worte gerne mal so benutzt werden, dass sie für Schlagzeilen gut sind“, sagte er gestern in Dublin. Allerdings hat er diese Entwicklung mit anhaltender Unzufriedenheit selbst ein wenig befördert. In den vergangenen Wochen hat Hummels seine Rolle als Kapitän von Borussia Dortmund vor allem als Mahner und Nervensäge interpretiert. Nach dem Unentschieden in Hoffenheim pfefferte er seine Kapitänsbinde erbost zu Boden und wurde später von den Fernsehkameras bei einem geheimnisvollen Abzählreim gefilmt. Nach dem 2:2 zu Hause gegen Aufsteiger Darmstadt betätigte er sich erneut als Chefkritiker, genauso nach dem 1:5 in München, als er zu den von Jerome Boateng eingeleiteten Toren sagte: „Unsere Taktik war ganz klar, Boateng und Alaba nicht frei diese Bälle spielen zu lassen. Ich weiß nicht genau, warum es trotzdem funktioniert hat, warum Jerome dann völlig ohne Druck spielen konnte.“

Das hörte sich an, als wollte sich jemand aus der Verantwortung stehlen, der selbst Dreck am Stecken hat. Hummels war jedenfalls in beiden Situationen nicht optimal positioniert. Beim ersten Tor der Bayern (durch Thomas Müller) versuchte er gar nicht erst hinterherzukommen, weil er viel zu weit aufgerückt war; beim zweiten (durch Robert Lewandowski) reagierten Hummels und sein Nebenmann Sven Bender nicht schnell genug, um die Schnittstelle zu schließen. Das habe er auch gesagt, sagte Hummels, diese Passage sei aber in der Nachberichterstattung geflissentlich ignoriert worden: „Das hätte ja nicht reingepasst in die Story.“

Die Aufregung um Hummels’ Worte hat immerhin ein wenig abgelenkt von seinen Taten. Der 26-Jährige gilt hierzulande als herausragender Innenverteidiger; seine Stärken liegen jedoch eher in der Offensive als in der eigentlichen Kernkompetenz eines Verteidigers: dem Verteidigen. Hummels ist nicht der Schnellste, vor allem unterlaufen ihm immer wieder taktische Fehler. Auch bei den beiden Toren der Bayern nach Boatengs Pässen registrierte er die Gefahr zu spät und konnte dadurch nicht mehr helfend eingreifen.

BVB-Geschäftsführer Watzke bat Hummels sogar zu einem Vieraugengespräch

Eine seriöse Debatte darüber aber findet nicht statt. Stattdessen wird über Hummels’ Sozialverhalten diskutiert. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat den Kapitän sogar zu einem Vieraugengespräch einbestellt, das nach den Länderspielen stattfinden soll. Hummels selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Er habe mit keinem Wort eine Grenze überschritten, sich selbst von der Kritik nicht ausgenommen, sagte er. „Ich habe nichts gesehen, was großartig erschütternd wäre. Allerdings liegt die Messlatte für das, was ein Skandal sein soll, inzwischen auch erstaunlich niedrig.“

Diese Sicht der Dinge wird auch von prominenten Kollegen gestützt. „Das, was er gesagt hat, fand ich, ehrlich gesagt, nicht so dramatisch“, erklärte Ilkay Gündogan, der mit Hummels sowohl in Dortmund als auch im Nationalteam zusammen spielt. „Er ist als Kapitän auch Wortführer in der Mannschaft und muss gewisse Sachen ansprechen.“ Bundestrainer Joachim Löw fand Hummels’ Einlassungen ebenfalls „völlig nachvollziehbar“. Natürlich habe er als Kapitän das Recht, diese Dinge anzusprechen, zumal er keine einzelnen Spieler kritisiert habe. „Er hat seinen Unmut, seine Unzufriedenheit und seine Enttäuschung kundgetan und sich selbst eingeschlossen.“

Das Verhältnis zwischen Hummels und dem Bundestrainer war nicht immer so harmonisch. Der Verteidiger hat sich auch von Löw schon ungerecht behandelt und überhart kritisiert gefühlt. Inzwischen, so sagt Hummels, gehe er mit solchen Themen relativ ironisch um. Vor dem Abflug nach Dublin twitterte er ein Foto von sich und Gündogan aus dem Flugzeug und unterschrieb mit #Motzki.

Mats Hummels hat auf dem Foto gelächelt.

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