Sport : Nervenschlacht im Freizeitzentrum

Wie sich Alba Berlins Basketballer in ungewohntem Ambiente in England zum Sieg zitterten

Helen Ruwald

Berlin - Die Information war trügerisch. Alba Berlins Aufsichtsratssprecher Axel Schweitzer nutzte beim Urlaub in Australien den SMS-Benachrichtigungsservice, um vom Uleb-Cup-Spiel beim sieglosen Tabellenletzten Guildford Heat zu erfahren. Nach den ersten zehn Minuten (15:23) musste Schweitzer ein bisschen zittern, die weiteren Viertelergebnisse signalisierten eine Führung der Gäste und der Endstand einen souveränen Sieg. Doch das 80:71 gibt die Dramatik in keinster Weise wider. Dem 10:23-Start folgten eine 21:0-Serie, dann ein 0:10. Und die Sechs-Punkte-Führung 90 Sekunden vor Schluss schmolz auf einen Punkt zusammen, ehe Alba noch einige Körbe gelangen. Albas Geschäftsführer Marco Baldi ist in Berlin „vor dem Liveticker gestorben“, der in der Endphase ausfiel. Auch er erfuhr per SMS vom Sieg.

Die Berliner sind damit weiter im Rennen um Platz drei in der Gruppe A, der den sicheren Einzug in die nächste Runde bedeutet. Auch Platz vier kann eventuell reichen. Die Entscheidung werden die Spiele gegen Türk Telekom Ankara und bei Bosna Sarajevo bringen.

„Wir hatten erwartet, dass es hart wird“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic, „wir hatten die Pflicht zu gewinnen, Guildford hatte keinen Druck mehr.“ Seit dem Hinspiel (81:63 für Alba) haben die Engländer drei neue Spieler geholt „und sich deutlich verbessert“. Die Verstärkungen Ajou Deng (19 Punkte) und Elmer Harrison (14) machten es Alba schwer. „Es war kein schönes Spiel, aber wir haben die schwierigen Bedingungen gemeistert“, sagte Pavicevic. Dazu gehörte auch die ungewöhnliche Halle, die, wie Kotrainer Konstantin Lwowsky Radio Eins erzählte, „eine Art Nebenhalle eines Freizeitzentrums mit Wasserrutsche nebenan war“. 400 Zuschauer sahen offiziell zu, „aber es waren eher 250“.

Dazu kam, dass sich Spielmacher Bobby Brown kurz nach der Pause am Mittelfinger der linken Hand verletzte. Doch er biss sich durch – und machte neun seiner zwölf Punkte nach seiner Verletzung, davon fünf in Folge in der kritischen Schlussphase. Pausieren muss Brown nicht, Alba gab gestern Entwarnung. Auch der zuletzt überragende Julius Jenkins, punktlos vor der Pause, traf, als es darauf ankam (12 Punkte). „Er ist ruhig geblieben, als es nicht lief. Das zeichnet einen Scorer aus“, lobte Teammanager Henning Harnisch. Beste Berliner Schützen waren Goran Nikolic (15) und Patrick Femerling (14/13 Rebounds).

Dass Alba erneut „nach einem Aufschwung nicht die Qualität hatte, den Sack zuzumachen“ hat für Harnisch mehrere Gründe: die Weihnachtspause mit hartem Training, der Muss-Sieg, verletzte Spieler. „Wir hoffen, dass sich die Situation demnächst stabilisiert“, sagt Harnisch. Andernfalls könnte die UlebCup-Saison für Alba bald vorbei sein.

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