Sport : Neuanfang mit Mister Lorenz

Köstner bringt Wolfsburg die Leichtigkeit zurück.

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Foto: dapd
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Düsseldorf - Lorenz-Günther Köstner sagte es einmal, und er sagte es noch ein zweites Mal. „Ich lüch ned, das darf man ned“, betonte der Mann aus dem oberfränkischen Wallenfels, als es um seine Lust ging, den Cheftrainerposten in Wolfsburg nicht nur als Übergangslösung zu bekleiden. Und weil Köstner, in der Vergangenheit oft wegen seines pastoralen Tonfalls verspottet, nicht lügen wollte, bekannte er nach dem stattlichen 4:1 in Düsseldorf offen: „Selbstverständlich ist es für einen Trainer das Größte, in der Bundesliga zu arbeiten.“

Der 60-Jährige weiß, wovon er spricht. In der höchsten Klasse coachte er in den neunziger Jahren bereits Köln und Unterhaching. Und, von Januar bis Juni 2010, auch den VfL Wolfsburg. Damals sprang Köstner für den freigestellten Armin Veh ein, nun ersetzt er Felix Magath. Die erste Schleife unter dem Mann mit den asketisch-markanten Gesichtszügen war ein Erfolg: Von 15 Spielen nach der Veh-Entlassung gewannen die Niedersachsen acht – so dass sich Linksverteidiger Marcel Schäfer nun eine Wiederholung vorstellen kann. „Er hat es damals schon gut gemacht. Und wenn wir weiter mit ihm gewinnen, ist nicht auszuschließen, dass wir mit ihm weitermachen“, spekulierte der frühere Nationalspieler. Köstner bemüht sich im Herbst seiner Trainerkarriere, einen eleganten Spagat zwischen dem eigenen salbungsvollen Stil und seinem Ehrgeiz hinzubekommen. So lobte der erneut beförderte Coach der Wolfsburger Reserve brav Magaths Verdienste bei der Zusammenstellung des VfL-Kaders und versicherte, er habe „überhaupt kein Problem“, wieder ins zweite Glied zu rücken, „wenn VW andere Ziele verfolgt“. Doch Köstner hatte auch kein Problem damit, auf etwas versteckten Pfaden die eigenen Qualitäten herauszustreichen.

Zum Beispiel berichtete er davon, wie er beim ersten Übungsspiel am Donnerstag sofort jene Mannschaft erspürt hatte, die später den Aufsteiger Fortuna Düsseldorf nach der Pause mit vier Treffern durch Bas Dost (2), Ivica Olic und Diego quälen sollte. Eine Mannschaft, die er auf gleich sechs Positionen umgestellt hatte. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, meine Mannschaft gefunden zu haben – und mich danach auch nicht beirren lassen“, lobte Köstner seine eigene Intuition und Standfestigkeit.

Dann ging er näher auf seinen größten Trumpf ein: den zwar aufgeblähten, aber durchaus brauchbaren Kader des VfL Wolfsburg. Der pragmatische Köstner sieht sich bei der Arbeit mit seinen Fußballern wie dem plötzlich wieder enorm lauffreudigen Diego oder dem blitzartig genesenen Naldo in einer Schicksalsgemeinschaft. „Ich habe der Mannschaft gesagt, wenn sie einen Neuanfang machen will, dann soll sie damit nicht bis zum nächsten Spiel warten“, sagte er. Seine Spieler haben ihn erhört.

Mit der Loyalität zu Vorgänger Magath übertrieb es Köstner nach dem Sieg in Düsseldorf daher auch nicht. „Heute war eine Befreiung da“, erklärte er ganz direkt und teilte den nach Sportdirektor und Trainer fahndenden Wolfsburg-Bossen forsch mit: „Ich habe versprochen, alles zu geben. Dazu brauche ich eine Mannschaft, die alles gibt – und diese Symbiose war erfolgreich.“ Dieser Meinung waren auch die VfL-Fans, die nach dem Schlusspfiff ein Transparent mit der Botschaft „Köstner – mehr als eine Interimslösung“ aufspannten.

Am Mittwoch spielt Wolfsburg im Pokal gegen den FSV Frankfurt, und manche glauben zu wissen, dass Köstner den VfL definitiv bis zur Winterpause trainieren wird. Spielmacher Diego, bei Magath zuletzt lediglich Reservist, kann fürs Erste jedenfalls nur Gutes über den alten neuen Chefübungsleiter berichten. „Mister Lorenz hat uns intelligent und mit viel Respekt vorbereitet“, sagte der Brasilianer und schob – bei bewusster Nicht-Nennung von Magaths Namen – noch den Hinweis hinterher: „Das Spiel gegen Düsseldorf hat wirklich Spaß gemacht.“ Und: „Keiner von uns hatte Angst, Fehler zu machen.“Andreas Morbach

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