Sport : Neue alte Stärke

Albas Basketballer entdecken den Teamgeist wieder

Helen Ruwald

Berlin - Dieter Hauert saß am Samstagabend auf der Tribüne der Max-Schmeling-Halle und ärgerte sich. Die Basketballer von Alba Berlin hatten im Bundesliga-Spitzenspiel gegen den Deutschen Meister Opel Skyliners Frankfurt kurz vor Schluss mit neun Punkten geführt. Doch dann waren die Gäste mit vier Dreipunktewürfen innerhalb von 80 Sekunden noch auf zwei Punkte herangekommen. Als ein Frankfurter beim letzten Distanzwurf zum möglichen Ausgleich gefoult wurde, ertönte schon die Schlusssirene. Den Berlinern blieb die Verlängerung erspart, sie siegten 78:75.

„Ich rege mich auf, dass der Gegner noch auf zwei, drei Punkte herankommt“, sagte der Präsident von Alba Berlin, „aber in der letzten Saison hätten wir so ein Spiel nicht gewonnen. Wir hätten uns nicht so schnell gefangen. Jetzt fällt es leichter, an Siege zu glauben.“ In der abgelaufenen Spielzeit, in der Alba im Halbfinale scheiterte, hätten die einzelnen Spieler genauso viel Potenzial gehabt wie die jetzigen – im Zusammenspiel als Team aber nicht. Vladimir Petrovic, Marko Pesic und DeJuan Collins konnten Spiele entscheiden – doch zu häufig harmonierten sie und der Rest der Mannschaft nicht, der Teamgeist fehlte, persönliche Querelen spiegelten sich auf dem Feld wider. „Wir sind als Team stärker als letztes Jahr“, sagte Center Jovo Stanojevic, der trotz Magen-Darm-Virus unbedingt für sein Team kämpfen wollte. „Zu Hause vor dem Fernseher hätte ich es nicht ausgehalten.“

Die neue Berliner Stärke ist eine alte, die in den Turbulenzen der vergangenen Saison abhanden gekommen war. Nach der Trennung von sechs Spielern und der Verpflichtung von fünf neuen besinnt sich Alba wieder besonders auf diese Tugenden. „Wir haben als Mannschaft gespielt. Es ist unsere Stärke, den Ausfall von ein, zwei Spielern kompensieren zu können", sagte Mithat Demirel. Gegen Frankfurt fehlte Spielmacher Gerald Brown wegen einer Schleimbeutelentzündung im Knie, Michael Wright (8 Punkte) war schon im ersten Viertel mit drei Fouls belastet und verlor seinen Rhythmus. Und Stanojevic, mit 15 Punkten bester Berliner Werfer „hat uns sehr geholfen, obwohl er nur 50 Prozent von dem zeigen konnte, was er eigentlich kann“, sagte Mutapcic.

Demirel, anstelle von Brown in der Startaufstellung, spielte 36 Minuten statt wie sonst 20, trieb sein Team nach vorn, verteilte die Bälle gut und gab neun Vorlagen zu Körben. Er machte zwölf Punkte, auch Stefano Garris (13) und Matej Mamic (13) punkteten neben Stanojevic zweistellig. Als Demirel kurz auf der Bank saß, half der 19-jährige Litauer Martynas Mazeika aus. Flügelspieler Guido Grünheid, der sich unlängst noch über zu wenig Einsatzzeit beschwert hatte, stand gegen Frankfurt fast 15 Minuten lang auf dem Spielfeld und steuerte sechs Punkte und vier Rebounds bei. „Es ist für den Trainer gut zu wissen, dass er Leute hat, die einspringen können“, sagte er selbstbewusst. Zumal nicht klar ist, ob Brown am Dienstag im Uleb-Cup-Spitzenspiel bei PAOK Saloniki wieder fit ist.

Der Teamgeist, der auch durch gemeinsamen Deutschunterricht der ausländischen Spieler gestärkt wird, verhinderte aber nicht, dass Frankfurt fast noch die Verlängerung erzwang – so wie es Dünkirchen im Uleb-Cup am Mittwoch getan hatte, nachdem Alba schon deutlich geführt hatte. Sekunden vor Schluss hatte ein gegnerischer Spieler dann völlig frei unter dem Korb stehend den Ausgleich erzielt. „So etwas darf nicht passieren“, kritisierte Mutapcic die Fehler am Ende beider Spiele, und Teammanager Henning Harnisch sprach davon, „dass wir nicht souverän sind“. Mangelnde Konzentration und frühe Siegessicherheit führten zu leichten Fehlern. Über die sich am Samstag nach dem Spiel aber auch Dieter Hauert nicht mehr ärgern mochte.

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