Sport : Neue Bescheidenheit

Borussia Dortmund entdeckt den Charme des UI-Cups

Felix Meininghaus

Dortmund - Man kennt ja diese Befindlichkeiten, wenn es um Borussia Dortmund und Schalke 04 geht: Kaum ist es dem einen gelungen, eine Marke zu setzen, ringt der Revier-Rivale verbissen darum, es besser zu machen. 55000 Zuschauer im Schnitt haben die Schalker bei ihren sechs UI-Cup-Auftritten der vergangenen beiden Jahre verzeichnet. Ein Rekord, der nicht für die Ewigkeit sein muss. „Gehen Sie mal davon aus, dass wir das toppen werden“, sagt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem heutigen Heimspiel im Nachrücker-Wettbewerb für den Uefa-Cup gegen den tschechischen Klub Sigma Olmütz.

Früher hätten sie in Dortmund die Nase gerümpft, wenn jemand den Klub auch nur in die Nähe dieses Wettbewerbs gerückt hätte. Mittlerweile regt sich niemand mehr ernsthaft darüber auf, dass der einstige Krösus im UI-Cup gefordert ist, während sich die Schalker in der einstigen Dortmunder Domäne Champions League versuchen dürfen. An der B1 haben sich alle damit angefreundet, dass es auch Charme hat, sich von den Zeiten zu verabschieden, in denen das teuerste Personal gerade gut genug war. Stattdessen genießen sie in Dortmund die neue Bescheidenheit, die sich unter anderem darin dokumentiert, dass die verbliebenen Stars mit aufstrebenden Talenten aus der Region ergänzt werden.

Rund 45000 Dauerkarten hat der BVB in den vergangenen Wochen verkauft, obwohl die Fans ganz genau wissen, dass der Klub auf Jahre hinaus nicht mehr für die Meisterschaft infrage kommt. Allerdings müssen die Dortmunder auch nicht darben, obwohl sie weiterhin von einem gigantischen Schuldenberg gedrückt werden. „Wir sind immer noch in der Lage, unsere Leute gut zu bezahlen“, sagt Watzke. So wie Torhüter Roman Weidenfeller, dessen Vertrag bis ins Jahr 2009 verlängert wurde. Um den kommenden Nationaltorhüter, der von den Lesern des Fachmagazins „Kicker“ jüngst zum beliebtesten Keeper der Republik gewählt wurde, im Revier halten zu können, wurden dessen Bezüge auf jährlich 1,7 Millionen Euro aufgestockt.

Für Watzke ist das ein klares Zeichen dafür, dass es sich beim immer wieder kolportierten Ausverkauf „um eine Debatte handelt, die mit der Realität nichts zu tun hat“. Auch die Spieler Christian Wörns, Sebastian Kehl, Jan Koller und Lars Ricken, deren Verträge 2006 auslaufen, „werden wir halten können“, sagt Watzke. Mit jeder Nachricht, die nichts mit Insolvenz, Zahlungsunfähigkeit und Niedergang zu tun hat, erholt sich das Dortmunder Selbstbewusstsein. Auch vor dem Pflichtspiel gegen einen Gegner mit einem wenig klangvollen Namen wie Olmütz glaubt Watzke, dass „Borussia Dortmund nach wie vor ein großer Klub ist“.

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