Sport : Neue deutsche Welle

In der DEL spielen einheimische Profis immer wichtigere Rollen – nun soll das Nationalteam profitieren

Katrin Schulze,Claus Vetter

Berlin - Es ist gar nicht lange her, da trug die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) das erste Wort in ihrem Namen als ein irreführendes Etikett mit sich herum. Nach dem Bosman-Urteil 1995 und den damit wegfallenden Ausländerbeschränkungen wurde die Liga zu einer Klasse, in der sich vor allem Nordamerikaner mit europäischen Pässen über gutes Gehalt freuten. Es gab Zeiten, da hatte etwa bei den Berliner Eisbären mit Sven Felski gerade mal ein deutscher Profi einen Stammplatz. Kein Wunder, dass sich die deutsche Nationalmannschaft schleichend in die Zweitklassigkeit verabschiedete. Mit einer Alibi-Regel versuchte die DEL, den Fall zu stoppen. Fünf deutsche Profis sollte jeder Klub im Kader haben - spielen mussten sie nicht. So kam es zum Beispiel, dass bei den Eisbären Materialwart Dirk Perschau als Spieler lizenziert wurde.

Ein Jahrzehnt später wäre dies undenkbar, Materialwarte und Busfahrer können im deutschen Eishockey längst wieder in ihrem eigentlichen Bereich tätig werden: In der DEL sind aktuell 64 Prozent aller Spieler deutsche Profis – und oft eben mehr als Mitläufer. So finden sich derzeit in der DEL-Topscorerliste mit den Iserlohnern Robert Hock und Michael Wolf zwei Deutsche, Nationaltorwart Dimitrij Kotschnew hat die beste Fangquote in der Liga, als bester Verteidiger gilt Nationalspieler Sascha Goc aus Hannover. Vor zehn Jahren, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, habe die Liga realisiert, dass sie auf einem falschen Weg gewesen sei. „Daher haben wir wieder eine Ausländerbeschränkung eingeführt, die wir nun schrittweise noch verschärfen“, sagt Tripcke. Zurzeit dürfen maximal elf von 22 eingesetzten Spielern Ausländer sein, ab kommender Saison werden nur noch maximal zehn nicht aus Deutschland stammende Profis spielen dürfen. Das Interessante aber ist, sagt Kölns Trainer Doug Mason, „dass viele Teams ihr Ausländerkontingent gar nicht mehr ausschöpfen, auch weil die jungen deutschen Spieler so gut geworden sind“.

Das lässt sich bei Teams wie den Kölner Haien, Mannheim oder auch den Eisbären inzwischen auch in der Statistik nachlesen: Bei den Berlinern zum Beispiel sind 25 von 51 Toren in dieser Saison von deutschen Spielern erzielt worden. Eisbären-Stürmer Florian Busch sagt: „Es wurde ja auch Zeit, dass sich etwas ändert und die jungen Spieler eine größere Rolle spielen.“

Das sieht auch U-20-Nationaltrainer Ernst Höfner so: „Es gibt etliche Spieler, die sich vollkommen in der DEL etabliert haben.“ Der Berliner Alexander Weiß beispielsweise, der letzte Saison nur Nebendarsteller war, sei mittlerweile ein Leistungsträger seines Teams. Höfner führt diese Entwicklung aber nicht nur auf die Ausländerbeschränkung zurück. „Dies ist nur ein kurzfristiger Aspekt“, sagt er. „Langfristig ist insbesondere die Förderung des Nachwuchses entscheidend.“ Seit etwa fünf Jahren existiere eine Struktur, mit der junge Spieler vom Kindes- bis zum Jugendalter konsequent aufgebaut und an die DEL herangeführt werden. „Dieses System wird sich nicht nur im Ligabetrieb, sondern auch in der Nationalmannschaft auszahlen“, sagt Höfner. Durch mehr Spielpraxis und Eiszeiten deutscher Spieler in der Liga sei es nur logisch, dass auch die deutsche Nationalmannschaft profitiert.

Bundestrainer Uwe Krupp will nun in den kommenden Turnieren besonders auf junge Spieler bauen, damit er für das Langzeitziel – die Weltmeisterschaft 2010 im eigenen Land – auf eine gewachsene Mannschaft zurückgreifen kann. „Das Ziel ist es, bis 2010 eine bei Weltmeisterschaften international konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen“, sagt Höfner. „Wir müssen alle Gegner schlagen können.“ Bis 2010 allerdings will der Nationaltrainer nicht mehr auf Erfolge seines Teams warten. Beim Deutschland-Cup, vom 8. bis 11. November in Hannover, habe Deutschland nach elf Jahren erstmals wieder eine reelle Chance auf den Turniersieg, sagt Krupp: „Mitgespielt haben wir lange genug.“

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