Sport : Neue Dirigenten im Orchester

BMW-Williams fährt zurück an die Spitze der Formel 1

Hartmut Moheit

Nürburgring. Am Mittwoch ist Ralf Schumacher auf PR-Tour in Berlin. Vier Tage später schon fährt er in Magny-Cours in Frankreich wieder um WM-Punkte. In der neuen Niederlassung von BMW am Blumenberger Damm wird er auch einiges über den Grand Prix auf dem Nürburgring zu erzählen haben, über seinen fünften Sieg bei einem Grand Prix. Es war ein Doppelerfolg für BMW-Williams, Ralf Schumachers kolumbianischer Teamkollegen Juan Pablo Montoya wurde Zweiter. Eine wundersame Rückkehr von BMW-Williams an die Spitze.

Es war der dreimalige Weltmeister Niki Lauda, der vor zu großer Euphorie nach Monaco (Montoya Erster) und Kanada (Ralf Schumacher Zweiter, Montoya Dritter) gewarnt hatte. „Dort hatten wir zwei Kurse, auf denen die Aerodynamik eine untergeordnete Rolle spielte“, hatte Lauda gesagt. „Erst wenn BMW-Williams auf dem Nürburgring wieder um den Sieg mitfahren kann, spielen sie mit im Orchester“ – in der Eifel haben sie nicht nur mitgespielt, sondern dirigiert.

Das Thema Aerodynamik hatte die Vertragverhandlungen zwischen BMW und Williams maßgeblich beeinflusst. Über den Winter hatten die Williams-Techniker ein komplett neues Fahrzeugkonzept entworfen, das nur einen Haken hatte: Die angekündigte Revolution kam auf der Rennpiste weit langsamer in die Gänge als im Windkanal. Der Motor war top, aber das Auto eher ein Flop. Der Betriebsfrieden war gestört. Frank Williams sagte: „Die Enttäuschung ist verständlich, schließlich haben wir andere Ansprüche.“ Die Trennung beider Partner schien die logische Konsequenz zu sein. Doch dazu kam es nicht, was Motorsportchef Gerhard Berger mit seinem Rücktritt quittierte.

Der Katalog an Forderungen gegenüber Williams wurde zwar immer üppiger, aber letztlich hat BMW die Briten doch kleingekriegt. Allein wollte BMW das Abenteuer Formel 1 nicht bestreiten. Aber in dem neuen, bis 2009 geltenden Vertrag zwischen BMW und Williams ist zumindest für den Fall der Erfolglosigkeit eine Ausstiegsklausel zugunsten der Bayern enthalten. BMW wird nicht mehr nur der Motorenbauer sein, sondern viel mehr, eben der bestimmende Partner.

Von Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya wird es letztlich abhängen, ob sich das auch in WM-Punkte umsetzen lässt. So wie die beiden Fahrer auf dem Nürburgring ihre Runden abspulten, sieht es für die zweite Saisonhälfte wohl ganz gut aus. Dabei hatten sie den WM-Titel für 2003 eigentlich schon abgeschrieben. Mit dem Sieg auf dem Nürburgring und der langfristigen Vereinbarung zwischen BMW und Williams steigen auch Ralf Schumachers Chancen, einen neuen Vertrag bei BMW-Williams zu bekommen, allerdings nicht mehr mit einer Dotierung von 15 Millionen Dollar pro Jahr wie bisher. „So viel Geld wird es für unsere Fahrer nie wieder geben“, sagt Frank Williams, „alle müssen Abstriche machen.“ Das gilt auch für Siegfahrer Ralf Schumacher.

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