Sport : Neue Macht am Rhein

Der eine hat schlecht gespielt und ist Tabellenführer geworden, der andere ist noch nie so gut aufgetreten und trotzdem um eine Illusion im Abstiegskampf ärmer. Größer hätten am Samstag die Kontraste im rheinischen Bundesliga-Derby nicht sein können, das der neue Spitzenreiter Bayer Leverkusen 2:1 beim Tabellensechzehnten 1. FC Köln gewann. "Fußball ist ein Tagesgeschäft. Als Dortmund und Kaiserslautern vorne waren, wurden sie bereits zu Meistern erklärt. Dieses Spiel machen wir nicht mit", sagte Bayers Chefcoach Klaus Toppmöller und wehrte sich gegen jedwede Titel-Spekulation. Seine Bilanz nach dem Tag der Machtübernahme fiel deshalb denkbar nüchtern aus: "Wir haben drei Punkte geholt und wollen weiter guten Fußball spielen."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Wie schnell Hoffnungen platzen können, zeigte das flott verspielte 1:0 der Kölner durch Kurth gegen ein Leverkusener Team mit neun müde von der WM-Qualifikation zurückgekehrten Nationalspielern. Nur 15 Minuten nach dem Führungstreffer hatten Ulf Kirsten und Oliver Neuville mit einem herrlichen Tor die drohende Niederlage in den ersten Erfolg im Müngersdorfer Stadion seit 15 Jahren umgewandelt. "Wir können nicht immer hundert Prozent geben. Doch so lange wir am Ende noch den Schalter umlegen können, gewinnen wir auch", sagte Neuville. Zudem profitierte Bayer von der Gelb-Roten-Karte für Jens Keller (51. Minute), die für Köln zum "Knackpunkt" (Lienen) wurde. "Entweder es war Absicht oder er ist so unglaublich schlecht", schimpfte Kölns Manager Linßen über Schiedsrichter Uwe Kemmling.

Großes Lob zollte Franz Beckenbauer der neuen Macht am Rhein. "Die Leverkusener gehören dahin, wo sie jetzt stehen: auf den ersten Platz - das müssen wir neidlos anerkennen", sagte der Präsident des abgelösten Spitzenreiters Bayern München. Die Bayer-Spieler übten sich trotz des Ritterschlags durch den Kaiser in Bescheidenheit. "Wir schweben auf keiner Wolke", beteuerte Bayer-Regisseur Michael Ballack.

Außerdem erfordert das Zwischenrunden-Match der Champions League am Mittwoch gegen Italiens Renommierklub Juventus Turin Bodenhaftung. "Das wird ein heißes Spiel", sagte Trainer Toppmöller. Nach dem Abpfiff war er direkt nach Turin geflogen, um Juve gegen den AC Parma zu beobachten. Dagegen wird der zuletzt überragende Nationalspieler Bernd Schneider, der sich am Samstag eine Oberschenkelzerrung zuzog, erst gar nicht nach Italien reisen. "Frühestens am nächsten Samstag im Bundesligaspiel gegen den HSV ist der Bernd wieder dabei. Doch das ist Wunschdenken", sagte Toppmöller.

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