Sport : Neuer Ärger

Wie die Talentspäher des Hamburger SV bei Hertha wildern

André Görke

Berlin. Erst sollte ein Anruf bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) Klärung bringen, doch jetzt hat Dieter Hoeneß noch einen Beschwerdebrief geschrieben. Der Manager von Hertha BSC ist mächtig verstimmt, und das liegt nicht an der sportlichen Situation der Profimannschaft. Die Berliner ärgern sich, dass die Talentspäher des Hamburger SV bei Hertha wildern – und schon zwei Juniorennationalspieler abgeworben haben. „Das verstößt gegen das Gentleman-Agreement unserer Liga“, schimpft Hoeneß.

Die Berliner müssen zwar keine Angst haben, dass der HSV im Jugendbereich vorbeizieht. Herthas Nachwuchsteams gehören zum Besten, was die Branche zu bieten hat. Doch was die Hamburger gerade machen, sei „nicht ganz sauber“, behauptet Hoeneß. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hamburgs A-Jugend-Trainer Michael Wolf – und der stand bis vor kurzem noch in derselben Funktion bei Hertha unter Vertrag.

Zum Ende der Saison werden die deutschen Nationalspieler Oliver Hampel, 19, und Burak Karan, 17, nach Hamburg wechseln. Mit Hampel hat sich Hoeneß gerade erst zusammengesetzt, „das war ein Zeichen, dass wir ihn halten wollen“. Hertha bot dem Mittelfeldspieler die Perspektive Bundesliga: Er spielte als Juniorenspieler bei den Amateuren und sollte sich Herthas Talent Malik Fathi zum Vorbild nehmen, der den Sprung zu den Profis geschafft hat. Dass er das HSV-Angebot vorzog, liege am Geld, behauptet Hoeneß. Geld an Spielerberater würde Hertha erst zahlen, wenn die Jugendlichen Profis sind. Doch Hampel lag erst mal nur ein Amateurvertrag vor.

Michael Wolf versteht den Ärger nicht. Man habe sich erst um Hampel bemüht, als feststand, dass der Vertrag auslaufen würde, sagt der Hamburger Nachwuchstrainer. Deshalb habe man die Vereinbarung innerhalb der DFL nicht gebrochen. „Außerdem bieten auch wir Perspektive.“ Angesichts von Herthas 29 Juniorennationalspielern „ist der Weg nach oben ein Nadelöhr“. Der HSV habe weniger Talente auf diesem Niveau und biete deshalb eine Perspektive für den schnelleren Weg nach oben.

Dass es nach oben gehen kann bei Hertha, zeigt sich jetzt erneut: Es mehren sich die Anzeichen, dass der dritte Torhüter Tomasz Kuszczak, 22, in der kommenden Saison erstmals fest zu den Profis gehören wird. Dafür müsste ein anderer gehen. Noch keinen Vertrag besitzt – Gabor Kiraly.

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