Sport : Neuer Pass, neue Wertung

Manfred Amerell

79. Minute in Stuttgart. VfB-Torhüter Timo Hildebrand wehrt einen Schuss ab, Nürnbergs Stürmer Stefan Kießling trifft – doch Schiedsrichter Lutz Wagner gibt das Tor nicht. Kießling sei zuvor im Abseits gestanden. Aus dem gleichen Grund erkannte auch Schiedsrichter Markus Merk Pizarros Treffer in Bremen nicht an. Ein Reporter behauptete, wenn der Ball vom Pfosten gekommen wäre, hätte der Treffer gezählt. Wann wird eine passive Abseitsstellung bestraft und wann nicht, Herr Amerell?

Es gibt kein passives Abseits, das wird nur im Volksmund so genannt. Es gibt nur eine strafbare und eine nicht-strafbare Abseitsstellung. Abseits ist dann strafbar, wenn der Spieler aus seiner Stellung einen Vorteil zieht. Das war sowohl bei Kießling als auch bei Pizarro der Fall. Allerdings wird Abseits in jeder neuen Angriffssituation neu bewertet. Ein Beispiel: Spieler A steht in dem Moment im Abseits, als Spieler B auf Spieler C passt. Trotzdem darf C weiter auf A passen – falls dieser nicht weiterhin im Abseits steht. Denn die Regel ist so: Jeder neue Pass wird als eine neue Angriffssituation gewertet. Es ist allerdings keine neue Angriffssituation, wenn der Ball vom gegnerischen Torwart, Pfosten oder der Latte kommt. Wie in Stuttgart.

In Stuttgart gab es nach dem Bewerten der Fernsehbilder die Diskussion, ob sich Kießling vor dem Torschuss tatsächlich im Abseits befunden hat. Doch die virtuelle Abseitslinie des Fernsehens kann täuschen. Nehmen Sie mal die Strafraumlinie als Hilfe, dann sehen Sie, dass der virtuelle Strich oft schief ist. Auch ist beim Abseits die Stellung des Oberkörpers entscheidend, nicht der Fuß oder der Arm. Ich denke, die Entscheidung in Stuttgart kann man so stehen lassen.

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