Sport : Neuer Teamchef: Erst kommt Rudi Völler, dann Bundestrainer Daum

Rudi Völler wird in einer Interimslösung neuer Teamchef der deutschen Nationalmannschaft bis zum 31. Mai 2001, danach übernimmt Christoph Daum den Job des Bundestrainers bis zum 30. Juni 2004, und Karl-Heinz Rummenigge tritt ab sofort die neu geschaffene Stelle des Teammanagers beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) an: Mit dieser sensationellen Wende endete zwölf Tage nach dem kläglichen Scheitern der Deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Belgien und Holland das Gipfeltreffen des DFB in Königsdorf bei Köln. "Unter den gegebenen Umständen halte ich dies für die optimale Lösung", sagte DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder nach einer vierstündigen Verhandlung mit den führenden Vertretern von Bayer 04 Leverkusen und Bayern München.

Der 40 Jahre alte Völler, der sein Amt als Sportdirektor in Leverkusen vorübergehend niederlegen wird, räumte ein, selbst von der Überraschungslösung überrumpelt worden zu sein: "Ja, ich gebe zu, dass ich vor dem Gespräch nicht damit gerechnet habe." Völler wird bereits am 16. August beim Testspiel in Hannover gegen Spanien die deutsche Mannschaft betreuen. Dem Weltmeister von 1990 soll ein Trainer zur Seite gestellt werden. "Ich habe ja keine Trainerlizenz, deswegen bekomme ich auch einen Trainer oder Ko-Trainer. Wer das sein könnte, das konnten wir in der Kürze der Zeit noch nicht besprechen", sagte Völler. Ziel sei es aber, seinen Assistenten schnell zu bestimmen.

Fest steht: "Rudi ist allein verantwortlich für die Mannschaftsaufstellung", sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der 44 Jahre alte Vizepräsident des FC Bayern München ist neuer starker Mann im Umfeld des DFB-Teams. "Ich werde demnächst von Sonntag, dem Anreisetag der Mannschaft, bis donnerstags nach den Spielen dabei sein", sagte der zweimalige Vizeweltmeister, der 95 Länderspiele bestritten hat. Er soll Rudi Völler den Rücken frei halten und professionellere Strukturen im Umfeld der Nationalmannschaft vorbereiten. Zuvor hatte sich Rummenigge stets geziert, diese Position zu übernehmen. Eine hauptamtliche Tätigkeit für den DFB lehnt er weiterhin ab. Der gestern gefundene Kompromiss war da Äußerste, worauf sich der FC Bayern einlassen wollte, nachdem sie zuvor schon eine Abstellung ihres Cheftrainers Ottmar Hitzfeld kategorisch abgelehnt hatten.

Offiziell ist Rummenigge Leiter einer Arbeitsgruppe, die die Bezeichnung "Task Force" trägt. Die Entscheidungen der Sitzung ließen sich die Beteiligten von führenden Vereinsrepräsentanten aus der Bundesliga und einigen DFB-Präsidiumsmitgliedern absegnen. Nach Auskunft von DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach wurde die personelle Lösung von etlichen Klub-Managern und den DFB-Funktionären akzeptiert und gutgeheißen.

"Fest steht, dass ich nur für zehn Monate für den DFB da sein werde", sagte Völler klar. Weitergehenden Ambitionen hege er nicht. Er wolle engen Kontakt zu Daum halten, um sich zu beraten, aber ebenso einen ständigen Austausch mit Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld pflegen, meinte Völler. Der bis zu seinem Karriereende im Sommer 1996 als aktiver Spieler, aber auch danach noch äußerst populäre Hanauer übernimmt die Verantwortung für vier Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft im Jahr 2002 in Japan und Südkorea.

Am 2. September findet in Hamburg das erste WM-Ausscheidungsspiel gegen Griechenland statt. Am 7. Oktober trifft die DFB-Auswahl im Londoner Wembleystadion auf England. Im nächsten Frühjahr stehen nach einem Testspiel bei Weltmeister Frankreich am 28. Februar am 24. März in Leverkusen gegen Albanien und am 28. März gegen Griechenland (noch ohne Spielort) zwei weitere WM-Duelle an.

Bei den beiden WM-Ausscheidungspartien im Juni in Finnland (2.6.) und in Albanien (6.6.) soll dann schon Christoph Daum die Verantwortung für die Nationalmannschaft übernehmen, denn die Bundesliga-Saison endet bereits am 19. Mai. "Bis dahin will ich den größtmöglichen Erfolg für Leverkusen holen", sagte Daum, dem von Bayer Leverkusen die Freigabe sowohl für eine direkte Einstellung als DFB-Chefcoach als auch für eine Doppel-Tätigkeit im Klub und beim DFB verweigert wurde. "Danach hoffe ich, dass ich mit der Nationalelf meine Vereinserfolge noch toppen kann", meinte Daum, der trotz der anstehenden Wartezeit auf seinen "Traumjob" sehr zufrieden mit der gefundenen Lösung wirkte.

An den Gesprächen hatten neben Christoph Daum und Rudi Völler aus Leverkusen noch Manager Reiner Calmund sowie Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß für den FC Bayern München sowie Generalsekretär Horst R. Schmidt, Mayer-Vorfelder und Niersbach für den DFB teilgenommen. "Uli Hoeneß hat versprochen, dass er auch wieder zu den Spielen der Nationalmannschaft kommt. Glauben Sie mir, jetzt ist wieder Feuer drin", sagte Daum.

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