Sport : Neuer Trainer, altes Lied

Der Fußball-Zweitligist 1. FC Union verliert unter Mirko Votava 0:3 bei Alemannia Aachen

Jürgen Seyffert

Aachen. Mirko Votava stand pitschnass vor der Trainerbank. Seine Jacke war zugeknüpft, die Hände steckten in den Taschen. Für Votava war es der erste wichtige Arbeitstag bei seinem neuen Arbeitgeber, seit Mittwoch trainiert er den Fußball-Zweitligisten 1. FC Union. Der Klub ist tief gestürzt, vier Punkte Vorsprung sind es nur auf einen Abstiegsplatz. Votava, der ehemalige Bundesligaprofi und Europameister von 1980, er soll den Klub retten. Doch so schlecht wie das Wetter gestern in Aachen war – so schlecht verlief auch der Einstand von Votava. Der 1. FC Union verlor vor 13 132 Zuschauern 0:3 (0:2) bei Alemannia Aachen. Seit acht Spielen wartet Union nun schon auf einen Sieg.

Den Deal mit dem neuen Trainer hatte Präsident Heiner Bertram eingefädelt. Das erste Spiel auf dem Aachener Tivoli erlebte er aber nicht mit. Bertram unterzog sich einer lange geplanten Knieoperation. Der Präsident hatte vor Reisenantritt harte Konsequenzen nach der Niederlage im Pokal angedroht. Von Prämien– und Gehaltskürzungen ist die Rede, sogar Personal soll aus dem Kader gestrichen werden. Bertram hat angekündigt, „teure durch junge, ehrgeizige Spieler zu ersetzen“. Aber: „Es gibt rechtliche Schwierigkeiten.“ Nun werden sogar Vertragsauflösungen zur Winterpause nicht ausgeschlossen. Wen es treffen kann, ist unklar. Bis zur Winterpause sind es nach der 0:3-Niederlage in Aachen noch fünf Spiele, „da kann sich jeder empfehlen“, sagt Trainer Votava. Das war ein nettes Angebot. In Aachen aber hatte sich keiner seiner Spieler energisch aufgedrängt.

Nur in den ersten zwanzig Minuten lief es gut für Union. Die Mannschaft hatte sogar die besseren Torchancen. Doch Unions Spielmacher Kostadin Widolow scheiterte erst an Keeper Stephan Straub, wenig später drosch Aachens Alexander Klitzpera den Ball knapp neben den eigenen Pfosten. Plötzlich aber verlor Union den Faden. Erst traf Aachens Josef Ivanovic zur Führung, kurz vor der Pause erhöhte Eric van der Luer auf 2:0. Votava war sichtlich bedient. Bei beiden Gegentoren sah Unions Chibuike Okeke schlecht aus. „Das waren individuelle Fehler“, sagte Votava später. „Aber ich habe auch andere, taktische Fehler gesehen.“ Die Mannschaft ist verunsichert. Das hat Votava bemerkt. Angesichts des schlechten Tabellenplatzes „ist es verständlich, dass da Selbstzweifel kommen“. Das Chaos in Köpenick hat auch die Macher des Stadionmagazins überrascht. In Aachen wurde noch Iwan Tischanski als Cheftrainer vorgestellt. Der ist aber längst wieder Kotrainer bei Union.

Auf der Tribüne saß gestern auch Pierre Littbarski, gleich hinter Unions Geschaftsführer Bernd Hofmann. Littbarski hatte sich vor einer Woche bei Union als Trainer ins Gespräch gebracht und daraufhin in Duisburg seinen Job verloren. Mit Votava hätte er gestern wohl kaum getauscht. Der Abend wurde für Unions neuen Trainer nämlich noch frustrierender: Acht Sekunden nach der Pause traf Aachens Miroslaw Spizak zum 0:3. Union hatte sich schon wieder ergeben.

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