Sport : Neururer folgt Trainer Lienen in Hannover

Christian Otto

Hannover - Am Morgen noch wollte Ewald Lienen das Training leiten, doch stattdessen hatte er nur noch einen einzigen Auftrag für Hannover 96 zu erfüllen: „Ich muss jetzt mein Büro räumen, weil der Peter Neururer gleich hier einläuft.“ In Windeseile ist Ewald Lienen als Trainer beim Fußball-Bundesligaklub aus Hannover abgelöst worden. Die Bühne gehörte schon am Abend ganz seinem Nachfolger Peter Neururer. „Ich bin sehr stolz, wieder hier zu sein“, sagte er, als er auf dem riesigen Teppich mit dem Vereinslogo von Hannover 96 stand.

Die Deutungshoheit gehörte an diesem Abend dem neuen Mann. „Der Trainerwechsel ist sehr stilvoll gemacht worden“, sagte Neururer. Ob das sein Vorgänger genauso sieht? Nach dem in letzter Sekunde erkämpften Unentschieden gegen Mainz 05 am Samstag hatte Geschäftsführer Karl-Heinz Vehling noch gesagt: „Für uns gibt es im Moment keinen besseren Trainer als Lienen.“ Auch in der Mannschaft sprachen sich mehrere Spieler unter Führung von Michael Tarnat für Lienen aus. Drei Tage später jedoch sagte Manager Ilja Kaenzig: „Wir haben uns schweren Herzens zu diesem Schritt entschlossen.“ Neururer und sein Assistent Michael Schjönberg-Christensen erhalten wie Lienen einen bis zum Sommer 2007 gültigen Vertrag. „Wir danken Ewald Lienen für die vielen schönen Momente und wünschen ihm alles Gute“, sagte Kaenzig und grinste Neururer an.

Es waren chaotische Tage in Hannover, und die Trennung von Lienen ist das Endergebnis eines Streits, den Kaenzig über Monate mit Lienen ausgetragen hatte. Nicht alle in der Mannschaft hatten Verständnis für diese Entscheidung. „Wir hätten auch mit Ewald Lienen noch die Kurve gekriegt. Er hat sich sehr emotional von uns verabschiedet“, sagte Torhüter Robert Enke. Aber mit nur zwölf erkämpften Punkten aus zwölf Spielen hatte die verunsicherte Mannschaft ihren Trainer nicht retten können.

Sein Nachfolger beteuerte bei der Vorstellung in der AWD-Arena, erst einen Tag zuvor mit den Verhandlungen über einen Vertrag begonnen zu haben. „Es gibt eine Art von Kodex, und an den halte ich mich“, sagte der 50-jährige Neururer, der vor elf Jahren schon einmal als Cheftrainer in Hannover tätig war – für sieben Monate. „Ich hatte hier eine relativ erfolgreiche Zeit, die relativ unangenehm zu Ende gegangen ist.“ Mit dem ersten Training beginnt heute Neururers zweites Kapitel Hannover.

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