• NFL-Europe: Lachen als Erfolgsrezept - Kicker Kruse und Holmes werden für Berlin Thunder immer wichtiger

Sport : NFL-Europe: Lachen als Erfolgsrezept - Kicker Kruse und Holmes werden für Berlin Thunder immer wichtiger

Ingo Wolff

Jaret Holmes sitzt auf der Wiese und lacht. Nicht weil er sich über die übrigen Footballer des NFL-Europe-Teams Berlin Thunder lustig macht, die nebenan ihre Spielzüge üben. Sondern weil Axel Kruse mal wieder für Spaß sorgt. Beide bestätigen scheinbar das Vorurteil, dass Kicker nicht sehr hart trainieren. In der US-amerikanischen Profiliga NFL werden die Balltreter deshalb nicht richtig ernst genommen.

Doch das Bild trügt. "Gegen-das-Lederei-treten" strengt an und führt bei Überlastung schnell zu Verletzungen. Deshalb brauchen die Kicker mehr Pausen als andere. Und der Erfolg gibt den Berliner Vertreter dieser Spezies Recht. Holmes hat mit seinen Fieldgoals erheblichen Anteil am derzeitigen Erfolg von Thunder. Kruse hat bisher alle 14 Extraversuche und dazu noch einen Feldtreffer verwandelt. Der ehemalige Fußballprofi, der für Thunder als so genannter National die Extrapunkte nach den Touchdowns erzielen soll, zieht außerdem als bekanntester Spieler viele Fans ins Stadion. Trotzdem hat der 32-Jährige keine Starallüren, sondern scherzt mit den Kickerkollegen. Holmes hilft ihm dafür beim Englischlernen.

Beide verbindet ein ähnlicher Werdegang. Holmes hat 17 Jahre Fußball gespielt, stand sogar in der US-Olympiaauswahl. Vor fünf Jahren ist der 24-Jährige dann für das Spezialteam im Football entdeckt worden. Ein finanzieller Fortschritt, denn mit Fußball konnte er in den USA kaum Geld verdienen. Weniger sogar als die Kicker, die im Gehaltsgefüge der NFL an letzter Stelle stehen. Viele erhalten nur das Minimumsalär. In Europa verdienen die Kickspezialisten immerhin das gleiche wie alle Spieler, mit Ausnahme der Quarterbacks und prominenter Spieler wie Kruse.

Das Interesse, das den Kickern hierzulande entgegen gebracht wird, konnte sich Holmes, bevor ihn die Chicago Bears nach Europa schickten, nicht vorstellen. Doch in der Europaliga sind die Kicker in den Mittelpunkt gerückt. Viele Spiele dieser Saison wurden erst durch Extrapunkte oder Fieldgoals entschieden, manche sogar erst in letzter Minute. Der studierte Sportwissenschaftler Holmes hält das Interesse an den Kickern aber für übertrieben. "Die Offensive und Defensive kämpft um die Meter, ich führe nur aus."

Im heutigen Spiel gegen die Barcelona Dragons (Kick-off 19 Uhr im Jahnstadion) trifft Holmes auf einen weiteren Kicker, der für Aufsehen sorgt. Jesus Angoy ist nicht nur der zweitbeste Kicker in der Saison, sondern auch Schwiegersohn von Fußballidol Johan Cruyff. Die Treffsicherheit des 34-jährigen frühere Torhüters vom FC Barcelona bei Extraversuchen sowie bei den Fieldgoals könnte entscheidend sein. Nur der Sieger kann noch das Endspiel erreichen.

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