Sport : Nicht ohne meine Pulsuhr

Herthas Profis bekommen einen Begleiter für die Feiertage – damit keiner zu spät oder mit Übergewicht zurückkommt

Michael Rosentritt

Berlin. Umzuziehen brauchte sich gestern niemand bei Hertha BSC. Eigentlich war für den Vormittag noch eine letzte Trainingseinheit in diesem Jahr angesetzt. Doch in Anbetracht der aktuellen sportlichen Lage, die getrost als verkorkst bezeichnet werden darf, entschied sich Huub Stevens für mentales Training. Herthas Trainer und Manager Dieter Hoeneß richteten in der Kabine ein paar klare Worte an die Spieler. Dem Vernehmen nach soll das alles in ruhiger Diktion und bei belegten Brötchen geschehen sein. Ehe die Spieler sich danach in den Winterurlaub verabschiedeten, erhielt ein jeder von ihnen eine individuelle Anleitung in die Hand, wie die bevorstehenden Feierlichkeiten ohne böse Folgeerscheinungen zu überstehen sind. „Dazu hat jeder eine Pulsuhr mitbekommen. Wir hoffen, dass keiner zu spät oder mit Übergewicht zum ersten Training kommt“, sagte Hans-Georg Felder, der Pressesprecher des Vereins.

„Natürlich können wir nicht zufrieden sein. Die Hinrunde verlief für uns enttäuschend“, sagte Huub Stevens. Die volle Konzentration gelte nun dem 3. Januar 2003, dem Tag des Trainingsbeginns. „Die Vorbereitung auf die Rückrunde hat mit dem heutigen Tag begonnen“, sagte Dieter Hoeneß.

Mit einem Trainingslager in der Türkei wird sich der Berliner Bundesligist auf die 17 Spieltage umfassende Rückrunde präparieren. Nach dem Trainingsauftakt am 3. Januar werden die Herthaner ab dem 11. Januar das einwöchige Trainingslager in der Türkei absolvieren. Dazu gehören wird ihre Teilnahme am „Antalya-Cup“, an dem sich auch Mannschaften wie Werder Bremen, Fenerbahce Istanbul, Spartak Moskau, PSV Eindhoven und Trabzonspor beteiligen werden. Hallenturniere aber wird Hertha in diesem Winter auslassen.

Die persönlichen Fitnessprogramme entwickelt hat Carsten Schünemann in Abstimmung mit dem Betreuerstab. Schünemann ist seit dem Sommer Konditions- und Rehabilitationstrainer bei den Berlinern. Das Wichtigste sei, dass die Spieler in den ersten Tagen mal abschalten und ihren Kopf freibekommen. „Dann müssen sie aber wieder etwas tun, damit nicht zu viel Körperspannung verloren geht“, sagt Schünemann. Die Winterpause ist relativ kurz. „Wir wollen Anfang Januar gleich wieder auf hohem Niveau einsteigen.“

Vor knapp zwei Wochen wurden alle Profis von Hertha zum Laktattest gebeten. In Anlehnung an die Ergebnisse wurde für jeden einzelnen Spieler ein spezielles Programm erstellt. „Es ist von allem etwas dabei: Kondition, Kraft, Gymnastik und Schnelligkeit“, sagt Schünemann. Vor allem gehe es darum, dass jeder Spieler an seinen Schwächen arbeite. „Die sind von Spieler zu Spieler recht unterschiedlich. Wie sie das machen, ist eigentlich egal.“ Schünemann spricht von Angeboten, die er unterbreitet habe. „Ich weiß ja im Wesentlichen, wohin die Spieler verreisen. Manche suchen die Studios in den Hotels auf, andere werden den Strand nutzen.“

Etwas geruhsamer können drei Spieler die kommenden 14 Tage angehen lassen. Der brasilianische Verteidiger Nené, der sich im letzten Hinrundenspiel der Saison am vergangenen Sonntag in Kaiserslautern eine Muskelzerrung im Oberschenkel zuzog, flog gestern in seine Heimat. Für ihn war es bereits die dritte Muskelverletzung seit dem Sommer. Josip Simunic, der im selben Spiel mit einem Kieferbruch ausfiel, wird so gut wie keinen Sport treiben dürfen. Der in Australien gebürtige Verteidiger kroatischer Eltern wird die Feiertage auf dem fünften Kontinent verbringen. Bleibt noch Andreas Neuendorf. Der Mittelfeldspieler hatte bereits vor einigen Tagen seine Urlaubsreise storniert. Er wird sich in eine Klinik begeben, wo die Beschwerden kuriert werden sollen, die in Folge eines Beckenschiefstandes entstanden waren. Der nächste Laktattest findet für alle Herthaner am 4. Januar statt.

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