Sport : Nicht so stürmisch

Hertha sucht noch einen Angreifer – Neuville ist einer

Stefan Hermanns

Berlin. Dieter Hoeneß hat am Mittwoch einiges zu tun gehabt: erst eine längere Besprechung in der Geschäftsstelle, dann ein auswärtiger Termin, und irgendwann soll er auch noch mit Jurica Vranjes von Bayer Leverkusen über einen Wechsel zum Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC verhandelt haben. Das jedenfalls hat gestern eine Boulevardzeitung berichtet. „Ich habe nicht mit ihm verhandelt“, sagt Herthas Manager, „und ich habe es auch nicht vor.“

Jurica Vranjes, 23 Jahre alt, spielt bei Bayer Leverkusen im defensiven Mittelfeld, sein Vertrag läuft im Sommer aus, und schon diese Tatsache lässt den Kroaten offenbar zum öffentlichen Spekulationsobjekt werden. Es ist bekannt, dass Hertha ein gesteigertes Interesse an einem defensiven Mittelfeldspieler besitzt. Hoeneß sagt, dass er sich mit Vranjes beschäftigt habe – bevor der vom NK Osijek nach Leverkusen gewechselt ist. Das allerdings liegt bereits drei Jahre zurück. Damals galt Vranjes als großes Talent. „Er hat enormes Potenzial“, sagt Dieter Hoeneß. „Aber das hat er bei Bayer nie abgerufen. Wieso also sollte er das bei uns tun?“

Das Wagnis ist den Berlinern offensichtlich zu groß, zumal Hoeneß nur noch zwei Spieler für die neue Saison verpflichten will. Neben einem Mann fürs defensive Mittelfeld soll noch einer für die rechte Außenbahn kommen. Gerald Asamoah von Schalke 04, der unter Herthas heutigem Trainer Huub Stevens zum Nationalspieler wurde, gilt als aussichtsreicher Kandidat, und „Sportbild“ titelte gestern: „Neuville stürmt nach Berlin“. Oliver Neuville, 30 Jahre alt, deutscher Nationalspieler, Vize-Weltmeister und wie Vranjes bei Bayer Leverkusen beschäftigt, würde exakt in Herthas Anforderungsprofil passen.

Dass die Berliner an Neuville interessiert sind, ist nicht neu. Schon vor vier Jahren, als Neuville noch bei Hansa Rostock spielte, hat sich Hertha um eine Verpflichtung des Außenstürmers bemüht, allerdings ohne Erfolg. Neuville wechselte damals für neun Millionen Mark nach Leverkusen. Sollte Bayer absteigen, könnte Neuville den Verein ablösefrei verlassen. „Wir verhandeln nicht mit Spielern, deren Vereine im Abstiegskampf stecken“, sagt Hoeneß. Der letzte Kontakt mit Neuville liegt mehr als ein halbes Jahr zurück. Damals spielte Leverkusen noch in der Champions League, und von Abstieg war rund um die Bayarena keine Rede.

Neuville könnte die Position einnehmen, die bisher der Brasilianer Alex Alves besetzt. Herthas teuerster Spieler der Vereinsgeschichte darf gehen, wenn sich ein Abnehmer für ihn fände. Angeblich gibt es in Brasilien mehrere Interessenten, eine Anfrage ist bei Hertha bisher allerdings nicht eingegangen. Alves selbst wollte sich zu diesem Thema nicht äußern, dabei hätte er in Herthas Online-Chat dazu ausreichend Gelegenheit gehabt. Gestern Abend aber war auf der Internetseite zu lesen: „Aufgrund starker Kopfschmerzen musste Alex nicht nur den Chat, sondern auch die Trainingseinheiten mit der Mannschaft kurzfristig absagen.“

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