Sport : Nicht so stürmisch

Nando Rafael ist ruhiger geworden – und hat sich damit bei Hertha BSC durchgesetzt

Mathias Klappenbach

Berlin - Unter der Dusche denkt er oft noch an einzelne Szenen aus dem Training. Und im Auto, auf dem Weg nach Hause. „Das kann wegen eines Balls sein, der mir zu weit weggesprungen ist. Oder, weil ein anderer Spieler mir gesagt hat, dass ich falsch gestanden habe“, sagt Nando Rafael. Der Stürmer von Hertha BSC hat sich im Laufe der Vorrunde gegen Fredi Bobic und Artur Wichniarek durchgesetzt. Dennoch will er vor allem weiter lernen. Obwohl er seit dem elften Spieltag immer zur ersten Mannschaft zählte, vier Tore geschossen hat und damit die Diskussion aus der ersten Saisonphase um das Sturmproblem der Berliner beendete. „Ich habe meine Chance genutzt und mir den gleichen Status wie alle anderen erarbeitet. Aber ich bin nichts Besonderes“, sagt Rafael.

So hat er auf dem Platz nicht immer gedacht. Wenn er den Ball bekam, wollte er immer etwas ganz Besonderes machen. „Am liebsten hätte ich sofort die Vorlage gegeben, gleichzeitig das Tor geschossen und damit das Spiel entschieden“, sagt der 21-jährige Angolaner. Seit 2002 spielt der schnelle Angreifer bei Hertha, seine gute Technik verdankt er der Ausbildung in der Jugend von Ajax Amsterdam. Ajax hätte ihn gerne behalten, doch die holländischen Behörden verweigerten dem Angolaner die Arbeitserlaubnis. Hertha würde den perfekt deutsch sprechenden Rafael gerne einbürgern, um im Kader Platz für einen weiteren Spieler, der nicht aus der Europäischen Union kommt, zu schaffen. Und nebenbei noch einen potenziellen deutschen Nationalspieler zu haben.

Rafael selbst bleibt bei dem Thema zurückhaltend. Bei einer möglichen Einbürgerung würde er sich wohl für die Niederlande entscheiden. Seine Freundin ist Holländerin. Als Neunjähriger war Rafael mit seinem Onkel in die Niederlande geflohen, nachdem seine Eltern im angolanischen Bürgerkrieg getötet worden waren. „Von meinem Onkel habe ich gelernt, wie man mit Kritik umgeht. Oft bin ich erst sauer, aber dann überlege ich, was ich daraus ziehen kann“, sagt Rafael. Schon in der vergangenen Saison kam er 24-mal in der Bundesliga zum Einsatz, vor allem aber als Einwechselspieler. Der damalige Trainer Hans Meyer lobte ihn als Kreativspieler, der schwierige Eins-gegen-Eins-Situationen gut auflösen könne. Meyers Nachfolger Falko Götz sagt, dass Rafael „ein Großer werden kann“. Dafür müsse er aber weiter hart an sich arbeiten.

In dieser Saison hat sich Rafael, der einen Vertrag bis 2006 hat, nach eigener Einschätzung einen wichtigen Schritt weiterentwickelt. „Ich bin jetzt nicht mehr übermotiviert. Für einen Stürmer sind einzelne Momente entscheidend. Dafür muss man einfach ein Gefühl besitzen. Und meins wird immer besser.“ Aus jedem Satz Rafaels ist herauszuhören, dass er verinnerlicht hat, sich in einem ständigen Prozess verbessern zu wollen. „Ich bin nicht der Typ, der sagt: Ich will dann und dann da und da stehen.“ So spricht einer, der an sich selbst glaubt.

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