Sport : Nichts zu befürchten

Herthas Alexander Madlung wird trotz des Platzverweises nicht gesperrt – dafür aber Dick van Burik?

Friedhard Teuffel

Berlin - Alles, was Alexander Madlung nach diesem Spieltag noch droht, ist der Besuch eines Versicherungsvertreters. Der könnte mit dem Fußballprofi von Hertha BSC noch einmal über seine Haftpflichtversicherung reden oder über eine Erhöhung der Glasbruchzusatzversicherung. Madlung hatte schließlich im Kabinentrakt des Freiburger Stadions eine Glastür eingetreten. Aus Frust, weil Schiedsrichter Wolfgang Stark ihn mit Dick van Burik verwechselt und mit der Roten Karte vom Platz geschickt hatte.

Doch Madlung muss keine Strafe fürchten. Weder dafür, dass er unbeteiligt zusah, wie van Burik in der 80. Minute den Freiburger Regis Dorn umschubste. Noch dafür, dass er anschließend wirklich gewalttätig wurde und im Kabinentrakt randalierte. Schon auf dem Nachhauseweg nach dem 3:1-Sieg der Berliner in Freiburg führte Herthas Manager Dieter Hoeneß erste Telefongespräche mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB). Hoeneß musste die Verwechslung gar nicht aufklären, die Vertreter des DFB hatten selbst im Fernsehen erkannt, dass Schiedsrichter Stark dem falschen Mann die Rote Karte vorgehalten hatte. Und für die Glastür kommt wohl Madlungs Versicherung auf. „Das wird geregelt“, sagte der 22 Jahre alte Abwehrspieler. Für die Tätlichkeit am fremden Eigentum wird Hertha BSC Madlung jedenfalls nicht bestrafen. „Wir spielen mit unseren Emotionen. Nach so einer Roten Karte bricht eine Welt zusammen. Da gehört eine solche Reaktion schon einmal dazu“, sagte Trainer Falko Götz.

Madlungs Fehltritt lässt also keine Fragen offen, aber van Buriks Rempler. Wird der DFB ihn noch nachträglich wegen einer Tätlichkeit sperren? War es überhaupt eine Tätlichkeit? Und warum wies der vierte Schiedsrichter auf die Verfehlung hin, ohne den Schuldigen zu benennen? (siehe Bericht auf dieser Seite) Van Burik will dazu nichts sagen. Er hatte es auch versäumt, den Schiedsrichter darauf hinzuweisen, dass er gerade den Falschen des Feldes verwiesen hatte. Seit van Burik nicht mehr Kapitän bei Hertha ist, hält er sich in der Öffentlichkeit ohnehin zurück. Auch Trainer Götz wollte sich nicht äußern. Alles, was die Berliner jetzt noch über den Tathergang sagen, kann schließlich vor dem DFB-Sportgericht gegen van Burik verwendet werden. Auf jeden Fall hat Dick van Burik seinen Gegenspieler mit dem Ellenbogen auf Brusthöhe gestoßen und zu Fall gebracht. Er hat sich ungeschickt verhalten. Dennoch kritisierte Falko Götz zunächst seinen Freiburger Gegenspieler: „Es ist so wichtig geworden, sich gleich fallen zu lassen. Diese Heulerei, diese Jammerei, das geht mir echt auf die Nerven.“

Van Burik durfte dafür die letzten zehn Minuten eines der besten Berliner Saisonspiele auf dem Platz erleben. Die Berliner erarbeiteten sich so viele Torchancen, dass diesmal sogar einer der sonst erfolglosen Stürmer traf: Nando Rafael. Von den dreizehn Saisontoren haben Herthas Stürmer nur zwei erzielt. Nando Rafaels Tor, es war der Ausgleich zum 1:1, war eine der vielen kleinen Geschichten, die in den Turbulenzen um die Rote Karte untergingen. Ebenso die Verletzung von Arne Friedrich. Bei ihm besteht der Verdacht auf Innenbanddehnung im linken Knie, wie lange er ausfällt, das wird heute der Mannschaftsarzt voraussagen. Nicht im Brennpunkt des Interesses stand auch der Treffer durch Gilberto. Der Tod seines Freundes Serginho, der am Mittwochabend bei einem Spiel in Brasilien auf dem Platz zusammengebrochen und gestorben war, ging ihm offenbar sehr nahe. „Er war sehr still in dieser Woche“, berichtete Falko Götz.

Herthas Trainer belohnte seine Spieler nach dem Sieg mit zwei freien Tagen. „Sie sollen den Kopf frei bekommen.“ Bis Dienstag wird sich jeder andere Gedanken machen. Rafael wird sich vielleicht fragen, warum er diesmal getroffen hat und vorher nicht. Van Burik könnte sich überlegen, welche äußerlichen Gemeinsamkeiten er mit Madlung hat, die zur kuriosesten Verwechslungsgeschichte dieses Fußball-Wochenendes führten.

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