Sport : Nick Heidfeld: Die Stunde der Wahrheit

Nach einer Debüt-Saison voller Enttäuschungen steht Nick Heidfeld die Stunde der Wahrheit bevor. Am Sonntag entscheidet sich die Zukunft des jungen Formel-1-Piloten aus Mönchengladbach. Und im schlimmsten Fall könnte "Quick Nick" nach nur einem Jahr in der Eliteklasse des Motorsports ohne Team dastehen. Am Abend nach dem Grand Prix von Belgien läuft die Frist ab, dann muss Teamchef Alain Prost seine Option auf den 23-Jährigen einlösen. "Das Ziel ist für Nick, in der Formel 1 zu bleiben", formulierte Heidfeld-Manager Werner Heinz die Minimal-Erwartungen in der Hängepartie, in der viele Fragen offen sind.

"Alain Prost hat die Option, wir müssen abwarten", sagte Heinz vor dem 13. WM-Lauf in Spa-Francorchamps. "Erst muss Prost sein Team sortieren. Wir hoffen, dass das bis Spa erledigt ist." Noch immer hat der viermalige Weltmeister nach der Trennung von Motorenpartner Peugeot kein Triebwerk für 2001. Es gibt sogar Spekulationen um einen Verkauf des Teams. "Alles ist viel schwieriger, als ich dachte", zog Heidfeld ernüchtert Bilanz nach einer Saison voller Pleiten, Pech und Pannen. Das Fazit gilt für ihn ebenso wie für seinen Chef. "Sein Job als Teamchef ist viel schwieriger als derjenige als Fahrer", meinte Heidfeld über die Probleme von Prost, der mit 51 Grand-Prix-Siegen der Rekordgewinner der "ewigen" Formel-1-Rangliste ist.

Doch Mitgefühl kann sich Heidfeld kaum leisten. Sollte ihn der Franzose nicht weiter verpflichten, werden die Alternativen auf dem Transfermarkt knapp, auf dem die wichtigsten Entscheidungen schon längst gefallen sind. Im Sauber-Team wird Heidfeld als möglicher Neuzugang gehandelt, doch dort stehen die Kandidaten Schlange. Möglicherweise erhält Prost 2001 Triebwerke von Ferrari oder von Supertec. Doch die müsste er teuer bezahlen. Und dann müsste Prost womöglich aus Finanznot einen Fahrer holen, der einige Millionen als "Mitgift" mitbringt, wie etwa der Brasilianer Pedro Diniz. Das Team, das ihn verpflichtet, stehen von Sponsoren umfangreiche Zahlungen ins Haus.

In seiner ersten Formel-1-Saison ist bei Heidfeld fast alles schief gelaufen, was schief gehen konnte. Sieben Mal fiel der Mönchengladbacher aus. Wenn er ins Ziel kam, reichte es nicht für Punkte. Meist ließ ihn sein Auto im Stich, einmal kollidierte er mit seinem Teamkollegen Jean Alesi. Am Nürburgring durfte er im Grand Prix nicht starten, weil das Auto nicht das geforderte Mindestgewicht auf die Waage brachte. Wenn der Prost-Peugeot mal zuverlässig schien, machte Heidfeld selbst Fehler. Die Negativ-Bilanz muss für einen wie ihn besonders bitter sein: Bis zu seinem Einstieg in die Formel 1 war die Karriere des Formel-3000-Europameisters prächtig verlaufen. Heidfeld galt als großes Talent, dem viele Experten sofort einige gute Platzierungen zutrauten.

Trösten kann sich Heidfeld derzeit nur damit, dass er selbst als Pilot Fortschritte gemacht hat. "Ich habe meinen Fahrstil und meine Abstimmung geändert. Anfangs hatte ich zu sehr den Formel-3000-Fahrstil", berichtete er. Noch etwas hat sich geändert: Vertraute Heidfeld zuletzt jahrelang auf das Tragen zweier Uhren gleichzeitig als Glücksbringer, so hat er sich von dieser Gewohnheit nun verabschiedet. "Das hat mir kein Glück mehr gebracht." Nun hofft er auf die Glücksarmbänder, die ihm seine Freundin Patricia geschenkt hat. Besonders am Sonntag kann Heidfeld ein wenig Beistand von Fortuna gut gebrauchen.

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