Sport : Niederlage total

Hertha BSC verliert 0:3 gegen Bremen und muss zwei Monate auf den verletzten Marcelinho verzichten

Klaus Rocca

Berlin. Gabor Kiraly hat in den vergangenen Wochen ungewohnt kritische Äußerungen über sich zur Kenntnis nehmen müssen. Erst hatte Bundestorwarttrainer Sepp Maier sich über die Stagnation im Spiel des Torhüters von Hertha BSC ausgelassen, und zuletzt griff auch noch Obermoserer Paul Breitner den Ungarn heftig an: Wie lange man sich diesen Torhüter bei Hertha denn noch leisten wolle, fragte Breitner. Gestern Nachmittag schien es, als wolle Kiraly seinen Kritiker im Nachhinein noch aufs Heftigste zustimmen. 17 Minuten waren gespielt, als der Torhüter sich bei einem Eckball von Werder Bremen nicht entscheiden konnte, ob er aus seinem Tor herauskommen oder auf der Linie stehen bleiben soll. Krstajic nutzte diese Unentschlossenheit, setzte sich gegen Schmidt durch, köpfte den Ball an die Latte, und den Abpraller schickte Ailton aus einem Meter zum 1:0 ins Berliner Tor. Mit seinem Zaudern leitete Kiraly die 0:3-Niederlage gegen den SV Werder Bremen ein. Vor 40 152 Zuschauern im Olympiastadion war es für die ambitionierten Berliner ein denkbar schlechter Start in die 41. Saison der Fußball-Bundesliga. Das 0:3 war zugleich Herthas höchste Auftaktniederlage.

Es war nicht allein Kiraly, der die hohen Erwartungen des Publikums enttäuschte. Fast eine halbe Stunde dauerte es, ehe die Berliner im Olympiastadion zu ihrer ersten Chance kamen. Bremens Torhüter Andreas Reinke konnte einen abgefälschten Freistoß von Marcelinho gerade noch parieren. Doch da stand es bereits 2:0 für Werder. Nach einem desaströsen Fehlpass von Nationalspieler Michael Hartmann marschierte Bremens Regisseur Johan Micoud durch Herthas Hälfte, vorbei an Josip Simunic, vorbei am neuen Kapitän Dick van Burik – gegen den überlegten Abschluss des Franzosen war Torhüter Kiraly ohne Chance.

Schwer zu glauben, dass die Bremer drei Tage zuvor im UI-Cup-Halbfinale noch 0:4 gegen den österreichischen Provinzverein SV Pasching verloren haben. Es sah ein bisschen so aus, als hätten die Berliner ihren Gegner gründlich unterschätzt. „Wir haben dem Gegner das Vertrauen geschenkt“, sagte Herthas Trainer Huub Stevens. Werder spielte gefälliger, überlegter im Aufbau und konterte immer gefährlich. Stevens konnte zwar seinen Spielmacher Marcelinho einsetzen, dessen Mitwirken lange fraglich gewesen war; doch der Brasilianer vermochte es nicht, dem Spiel seiner Mannschaft eine erkennbare Struktur zu verpassen. Auch das Zusammenwirken mit den beiden neuen Stürmern Fredi Bobic und Artur Wichniarek funktionierte nicht so, wie es eigentlich gewünscht war.

Kurz vor Ende der ersten Hälfte kam es für Hertha und den Brasilianer Marcelinho noch schlimmer. Ohne Einwirken eines Gegners war er im Rasen hängen geblieben. Der Mittelfeldspieler wälzte sich mit Schmerzen auf dem Boden, schließlich musste er ausgewechselt werden. Noch während der Halbzeitpause wurde Marcelinho mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren. Die Diagnose: Der Brasilianer hat sich den Mittelfuß gebrochen und fällt zwei Monate aus. Für Marcelinho kam der 19 Jahre alte Alexander Ludwig aufs Feld – und zu seinem ersten Bundesligaeinsatz. Der Mittelfeldspieler, dem viele wegen seines Talents eine große Zukunft vorhersagen, hat in der Jugend drei Jahre lang das Trikot des SV Werder Bremen getragen.

Hertha ging in der zweiten Halbzeit engagierter zu Werke, hatte durch Wichniarek nach gut einer Stunde auch eine gute Chance. Mit einem schmucken Volleyschuss verfehlte der Pole jedoch knapp das Tor der Bremer. Insgesamt gefährlicher aber blieb Werder – vor allem durch Ailton. Erst scheiterte der Brasilianer noch mit einem Kopfball an Kiraly, dann erzielte er das 3:0 für seine Mannschaft. Nach einem Doppelpass mit Charisteas marschierte er fast ungestört durch Herthas wacklige Verteidigung und schob Kiraly den Ball zum Abschluss auch noch durch die Beine. Für Ailton war es bereits der fünfte Treffer, den er gegen Hertha erzielen konnte. Auch in der vorigen Saison hatte er mit seinem Tor den Berlinern eine Heimniederlage zugefügt (0:1).

Huub Stevens wusste nach dem Spiel gar nicht, „wo ich anfangen soll. Man kann ein Spiel verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise.“

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