Sport : Niederlage zwischendurch

Hertha unterliegt mit Übergangschef René Tretschok Meister Dortmund 0:1.

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Berlin - Als alles vorbei war, schüttelte René Tretschok seinem Mitstreiter Ante Covic kurz die Hand. Das war’s. Tretschok ist schon als Spieler nicht durch Extravaganz aufgefallen. Er hat einfach seinen Job gemacht, manchmal richtig gut, immer aber mindestens solide. Bei seinem ersten Auftritt als Trainer auf der großen Bühne ist das nicht anders. Ein volles Olympiastadion, das 1000. Bundesligaspiel für Hertha BSC, dazu der Meister und Tabellenführer zu Gast, doch der Interimscoach der Berliner sah nicht so aus, als hätte er erhöhten Blutdruck. Der 43-Jährige verfolgte das Geschehen meistens sitzend und weitgehend regungslos von der Trainerbank aus. Zumindest bis zum Führungstreffer der Dortmunder nach etwas mehr als einer Stunde. Erst danach tigerte Tretschok durch seine Coachingzone. Bangend. Hoffend. Flehend. Geändert hat es nichts mehr. Hertha verlor 0:1 (0:0).

Für Tretschok wird der Einsatz als Cheftrainer bis auf weiteres ein einmaliges Erlebnis bleiben. Nächste Woche in Augsburg wird Otto Rehhagel auf der Bank sitzen, Tretschok und Covic sollen ihm als Assistenten zur Hand gehen. „Es war eine sehr gute Zusammenarbeit“, sagte der Interimstrainer über die Woche in verantwortlicher Position. „Jetzt müssen wir das nur noch mit den Ergebnissen hinbekommen.“ Die Niederlage gegen Dortmund war für Hertha die fünfte hintereinander, seit elf Bundesligaspielen wartet die Mannschaft auf einen Sieg.

Tretschok hatte im Duell mit dem Meister auf den Überraschungseffekt gesetzt und sich unter der Woche um größtmögliche Geheimhaltung bemüht. Taktisch hatte er einiges verändert. Lewan Kobiaschwili rückte für den gesperrten Andreas Ottl ins defensive Mittelfeld, Christoph Janker verteidigte rechts in der Viererkette, Felix Bastians links, dazu tauschten die beiden Innenverteidiger Andre Mijatovic und Roman Hubnik die Seiten, weil Kapitän Mijatovic das Spiel von hinten heraus lenken und leiten sollte.

Zu Beginn sah es ganz gefällig aus, was die Berliner zeigten. Hertha ließ den Ball recht flüssig laufen und geriet in der Anfangsphase nur einmal in Gefahr, als Lucas Barrios am Fünfmeterraum frei zum Kopfball kam. „Gegen Dortmund kannst du nicht alles verhindern“, sagte Mijatovic. Zumal der BVB Hertha ab Mitte der ersten Hälfte früher unter Druck setzte und dadurch einen geordneten Spielaufbau unterband. Gegen Ende der ersten Halbzeit kam der BVB zu gleich drei guten Chancen: Barrios traf den Ball nach einer Hereingabe des starken Lukasz Piszczek nicht richtig, Mats Hummels verpasste eine Kopfballablage nur ganz knapp, und unmittelbar vor dem Pausenpfiff scheiterte der frühere Herthaner Piszczek an Torhüter Thomas Kraft.

Die Berliner wehrten sich mit großem Einsatz gegen die immer dominanter werdenden Dortmunder; im Spiel nach vorne aber blieb vieles in Ansätzen stecken. Herthas beste Gelegenheit vor der Pause entsprang eher dem Zufall. Der Brasilianer Raffael setzte Hummels nach, jagte ihm im Dortmunder Strafraum den Ball ab, scheiterte dann aber an Torhüter Roman Weidenfeller. „Diese Chancen muss man auch einfach mal nutzen und die Tore erzwingen“, sagte Tretschok. Hummels wurde später mit Fieber ausgewechselt.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kam Tretschoks Mannschaft wieder besser ins Spiel. Die Berliner verteidigten höher, absorbierten den Druck der Dortmunder dadurch besser – und schalteten nach Ballbesitz schneller um. Fünf Minuten nach der Pause kam Patrick Ebert nach einem Pass von Adrian Ramos frei zum Schuss. Der Ball ging jedoch einen guten Meter am Tor vorbei; kurz darauf verpasste Ramos eine Hereingabe Eberts ebenfalls nur knapp.

Von den Dortmundern war in jener Phase vor allem im Spiel nach vorne nur wenig zu sehen, umso schmerzhafter wurden die Berliner vom Tor des BVB zum 1:0 getroffen. Nachdem Kraft einen Kopfball von Robert Lewandowski mit einem glänzenden Reflex pariert hatte, verwertete Kevin Großkreutz den Abpraller mit einem Fallrückzieher zum 1:0. „Sie wollten das“, sagte René Tretschok über das entscheidende Tor. „Sie haben das erzwungen.“ Es war an diesem Nachmittag der auffälligste Unterschied zwischen dem Tabellenführer aus Dortmund und dem Abstiegskandidaten Hertha BSC.

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