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Niederlande nach dem 0:2 in Island : Wann geht Guus Hiddink?

Nach nur einem Sieg in drei Spielen in der EM-Qualifikation ist nicht die Frage, ob Trainer Guus Hiddink geht - sondern wann. Eine Zeitung attestiert ihm "totale Ohnmacht".

Das große Staunen auf der Ersatzbank: Guus Hiddink erlebt in Island die zweite Niederlage im dritten Spiel. Foto: dpa
Das große Staunen auf der Ersatzbank: Guus Hiddink erlebt in Island die zweite Niederlage im dritten Spiel.Foto: dpa

Tief vergraben in seine königsblaue Trainingsjacke saß Guus Hiddink auf der Bank. Die Mundwinkel missmutig nach unten gezogen. Der Blick des Bondscoaches am Montagabend in Reykjavik sprach Bände. Die niederländische Nationalmannschaft hatte soeben ihr zweites EM-Qualifikationsspiel verloren. 0:2 gegen Island.
Es war die dritte Niederlage für den neuen Nationaltrainer im vierten Spiel. Nur gegen den Fußballzwerg Kasachstan gelang dem WM-Dritten ein Sieg, und selbst der war mühsam. Entgeistert erlebten Fans und Kommentatoren den Abgang. Das defensive Spiel und seelenlose Gekicke entsetzen die Niederlande.
„Total daneben“, kommentierte Bayern-Star Arjen Robben das eigene Spiel wutentbrannt. „Wir sind nicht gut.“ Die Niederlande müssten nun die Ehre wiederherstellen. „Es ist 2 vor 12“, warnte Robben.
Doch für den Bondscoach scheint die Zeit schon fast abgelaufen. Denn die „totale Ohnmacht“, die Kommentatoren in Reykjavik sahen, herrschte nicht nur auf dem Rasen, sondern gerade auch auf der Trainerbank. Für die meisten ist es keine Frage mehr ob, sondern wann der 67-Jährige das Handtuch wirft. Er will davon vorerst nichts wissen, sagte er. „Man muss das jetzt alles in aller Ruhe analysieren.“ Doch bezeichnend war ein kurzes Interview. „Sitzt du hier noch im nächsten Monat auf der Bank?“, fragte ein Reporter. „Wo? Hier in Island?“, antwortete Hiddink. „Bei Oranje?“ fragte der Reporter.
Hiddink sagte nichts. Und das sagte alles.

1998 hatte Guus Hiddink die Niederlande ins WM-Halbfinale geführt

„Es ist vorbei mit Guus“, meinen viele Kommentatoren. Der internationale Erfolgstrainer soll den Platz räumen. 1998 hatte er Oranje noch bei der WM in Frankreich ins Halbfinale geführt. Er coachte die Mannschaften von Russland, Australien und hat in Südkorea bei der Heim-WM 2002 mit dem Halbfinal-Einzug Heldenruhm erworben.
Doch seine zweite Periode bei Oranje droht zu einem Debakel zu werden. „Willst du dir das eigentlich überhaupt noch antun?“ fragte ein TV-Reporter. Hiddink lächelte nur verkrampft.  Viele sehnen sich zurück nach seinem Vorgänger. Für Louis van Gaal war Erfolg bei der WM in Brasilien fast schon eine heilige Mission.
Der heutige Coach von Manchester United wollte die totale Kontrolle.
Er stand am Spielfeldrand, fuchtelte mit den Händen, gab Kommandos, dirigierte seine Spieler wie ein Schulorchester, schrieb eifrig in sein Notizblock und schwoll manchmal knallrot an, wie eine holländische Tomate. Ein Fußballtrainer aus Leidenschaft. Guus Hiddink dagegen sitzt stumm und passiv daneben. Ein Zuschauer des drohenden Untergangs. Sieben Spiele stehen Oranje in der Qualifikation noch bevor. Im November wartet Lettland in Amsterdam. Es wird das erste von sieben Finales.. (dpa)

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