Sport : Nikolass, der Rotzlöffel (Glosse)

Jupp Suttner

Gottseidank ist der Rotzlöffel letzte Woche in Australien ausgeschieden und hat nicht auch noch gewonnen. "Rotzlöffel" - so wurde dieser Tage Nicolas Kiefer genannt. Von einer Zeitung. Weil Kiefer sich weigert, für Deutschland im Davis Cup anzutreten. Was ja nun wirklich undankbar ist. Mehr als eine Kindheit lang hat der Deutsche Tennisbund ihn mittels unserer Steuergelder gefördert, und jetzt streckt Kiefer uns die Zunge raus. Will nicht für "uns" ("uns" = Deutschland) den Schläger schwingen.

Der Bursche ist ein Flegel, er gibt uns einfach nicht die Liebe zurück, die wir ihm geben würden, wenn er im Davis Cup für uns gewänne. Wobei natürlich sofort die Frage auftaucht: Und was - wenn er verlöre? Würden wir ihn dann nicht nur "nicht lieben", sondern sogar ein wenig hassen? Wahrscheinlich schon. Und wir bekämen vermutlich ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Sehen Sie, davor wollte Nicolas Kiefer uns bewahren. Wir sollten ihm dankbar dafür sein, dass er uns die Gelegenheit bietet, ihn als undankbar zu empfinden! Denn es gibt nichts Besseres, als sich über jemandes Undankbarkeit zu empören und ihn "Rotzlöffel" zu nennen. Was - dies nebenbei - zwar eine Beleidigung ist. Aber keine besonders subtile. Und Kiefer dürfte zu intelligent sein, um sich von Tiraden dieser Primitivität betroffen zu fühlen. Nein, falls Sie den Davis-Cup-Verweigerer wirklich beleidigen wollen: Sagen Sie doch einfach "Nikolass" zu ihm. Mit ganz hartem "s" hinten. Denn darauf legt der Junge Wert - dass sein Name französisch ausgesprochen wird: ganz ohne "s". Einfach Nicola. So ähnlich wie Ruccola. Dann hat er den Salat.

Also, hängen Sie ein "s" an - das wird "Nikolass" zwingen, künftig für Deutschland Davis Cup zu spielen! Dafür darf er uns "Rotzlöfel" nennen.

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